Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
151
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.ein Wind. Nun kan aber unmöglich immerzu eine übergrosse Menge der Außdünstungenund Dämpffen herbeyfiessen; derohalben. Zweytens: Wann wir mit einem Wendelindie Lufft bewegen; so machen wir in allwege dem Gesicht einen Wind, welcher auf eben dieWeiß, als ein von der Natur getriebener Wind, uns anblaset: dann er kühlet durch seineBewegung / und wehet wie ein Wind; so daß man demnach durchaus läugnen müste / daßes einen Wind abgebe; indeme dißfalls, so viel die Sinne betrifft, sich kein Unterscheid erzei-get, und auch das Widerspiel mit einem tüchtigen Beweiß nicht kan behauptet werden. Drit-tens: Nachdem offtmahls etliche Tag hindurch von einem Ort her ein über die massen heffti-ger Wind zu blasen pfleget; woher solten wohl so viel Ausdünstungen und Dämpffe entstehen /und so lange dauren? Derowegen ist es die Lufft / die alsdann bewegt und getrieben wird;dann gleichwie durch die Schwingung eines Wendelins sich ein mercksamer Wind spühren undfühlen lasset; also kan auch durch eine starcke Lufft=Bewegung ein grosser Wind erreget wer-den. Vierdrens: Wann man in einer Kammer ein starckes Feuer in dem Camin anleget /so wird man verspühren, daß ein Wind durch die Thür in die Kammer hineindringe: Eskommt aber eine solche Bewegung der Lufft nicht von den Außdünstungen her, sondern geschie-het deßwegen, damit das Leere (vacuum) verhindert werde. Dann so balden das Feuer dieerdünnerte Lufft durch den Camin in die Höhe treibet / und auf dieselbe gleich widerum die nechsteLufft nachfolget / und auch über sich gehoben wird; so tritt die äussere Lufft in die Kammer hinein / aufdaß kein Vacuum oder Leere sich ereigne. Gleicherweiß ist es beschaffen, wann ein Wald an-gezundet / oder Acker=Felder ausgebrennet werden; dann indeme das Feuer die Lufft über sichhebet, oder theils an sich reist, so folget die nechste Lufft immerdar hernach, damit keine Leere(vacuum) gelassen werde; welche Lufft dann gemeiniglich unter wehrendem Brand dermassenzunimmet und sich stärcket / daß die Flamme dardurch weit und breit um sich greiffet. Daheroistes in Sicilien / wie Schottus bezeuget / bey Leib= und Lebens=Straff verbotten / vor Anfang deßOctobers, das ist, bevor die Früchte aus den Gärten unv Weinbergen eingesammlet werden,die Stoppeln auf den Aeckern anzuzünden. Und seyn auch diese von einer Brunst entstehen-de Winde keine Ausdünstungen; dann solcher Gestalten würde der Wind von dem Ort derBrunst aus / sich allenthalben hin ausbreiten / und nicht an besagtem Ort zusammen lauffen.Item; Wann ein Hauß/Thurn, oder eine andere schwere Last ubern hauffen fället, so wirddie herumstehende Lufft so hefftig beweget / daß sie die nechste Cörper zu boden schmeist / oderauf die Seite reisset. Falls auch über diß sich irgendwo ein Ungewitter zusammen ziehet; sopfleget ein Wind zuentstehen, und sich nach demselben Wetter zuzuwenden: Welches aber-mahls daher rühret, weilen, indem die Lufft an dem Ort deß Ungewitters kalt und dick wird,eine andere Lufft dahin eilet / den leeren und verlassenen Platz einzufüllen. Fünffrens: Ent-stehet gemeiniglich in der Frühe bey heranbrechender Morgen=Röthe / absonderlich bey heiternTagen, ein sanfftes Windlein, so da meistentheils gegen Aufgang der Sonne wehet: Wel-ches dann dahero geschiehet / weilen die aufgehende Sonne mit ihrer Hitze die nechste Lufft er-wärmet / und verdünnert; diese verdünnerte Lufft aber über sich steiget / und die nechste Lufftauch mit sich fortreisset; auf die widerum eine andere folget, und gegen Osten eilet: Worausersagtes kühles und sanfftes Windlein entspringet. Letztlichen / damit wir viel andere Beweiß-thume vorbey gehen / so ist nicht weniger bekannt / wann irgend an einem Ort in der Lufft et-liche Wolcken sich zusammen sammlen / und einen starcken Regen auf die Erde werffen / daßalsbalden ein Wind sich spühren lässet, der nach dem Ort deß Regens zueilet: Und solches zwardarum, daß die von den Wolcken und dem Regen kalt und dick gemachte Lufft einen kleinernPlatz einnehmet / und nothwendig immer eine Lufft nach der andern auf den Ort deß Regenshinzudringet.Jedoch ist hierbey zumercken / Erstlichen: daß / wann wir vermeldet / die Lufft seyebißweilein die Materi der Winde, nicht diejenige Lufft zuverstehen seye, welche gantz rein, undmit keinen Dünsten vermischet ist; dann dergleichen Lufft wird schwerlich / wohl aber eine sol-che zufinden seyn / die ausser denen ordinari Dünsten / womit sie allezeit erfüllet ist / keine an-dere Dünste / die von einer ausserordentlichen ursache herkommen / in ungewöhnlicher Mengemit sich führet oder in sich hält.Zweytens: Daß, da wir behauptet, der Wind seye manchmahl nichs anders danneine bewegte Lufft, ersagter Wind hier nicht müsse in engem Verstand angenommen werden:Dann dergleichen Winde nicht lange zu dauren pflegen: Deßwegen können diejenige hefftigeund grausame Winde / welche Bäume aus der Erden reissen / Thürne und Häuser zu bodenwerffen / und auf der See grosse Schiffe zerbrechen und sencken machen / keine Lufft seyn; alswelche wie sie leichtlich bewegt / also auch wiederum leichtlich gestillet wird: Und siehet manebenfalls nicht / woher dieselbe solte so sehr verdünnert / oder verdicket / oder auf andere WeiseWör-beweget werden.