Tract. 6Meteor.cap. 2.Arist. l.2Meteor.cap. 2.
Philosophische und Politische BeschreibungUrstaffen, deß Schweffels, deß Saltzes und deß Wassers. Diese dreye seynd dieMutter / welche die Winde gebährt. Und weiter unten: Ihr sehet / daß das Wasser /so in einem Hafen siedet / einen Wind von sich giebet. rc. Eben also thut auch der feu-rige Vulcanus / so in denen Sternen sich aufhaͤlt; und machet seiner Natur nach die-se drey Urstaffe aufsieden; woraus alsdann der Wind entstehet. Allein / wer siehetnicht / das solches Lappen=Possen seyn.Aristoteles und die Peripatetici lehren insgemin; daß die Materi der Winde in einerwarmen und trucknen Außdünstung bestehe; Die Conimbricenser aber wollen beglaubt ma-chen; Diß seyen keine pure sondern zuweilen und zwar öffters mit Dämpffen vermischte Auß-dünstungen: Welche Meynung ich auch meines Orts um folgender Beweiß=Gründe willenfür wahrscheinlicher achte; Nemlichen /§. 1. Die Materi der Winde / wie Aristoteles darfür hält / besteht in einer war-men und trucknen Außdünstung: Und zwar darum Erstlichen: Weilen die Winde imFrühling und Herbst / da die Außdünstungen am häuffigsten hervor kommen / auch am meistenverspührt werden. Zweytens: Weilen die Winde fruh-morgends, wann die Sonne aufge-het, sich regen; angesehen alsdann die Außdünstungen der Menge nach aus der Erden her-fürbrechen: Deßwegen werden auch von denen Schiffern bey denen Vorgebürgen und denenUfern um der aus dem nechstgelegnen Land ausgehenden Dünste willen sehr hefftige Windeverspühret: allermassen dann Chr-stophorus Columbus daher wohl geurtheilet / daß jenseitsdeß Atlantischen Oceans, oder grossen Welt=Meers, noch ein Land seyn müsse, weilen vondorten her grosse Windesangestürmet. Zu Oviocun in Franckreich findet sich in einem Bergeine Höhle, woraus ohne aufhören ein starcker Wind wehet, und denen Benachbarten sehrbeschwerlich fället: so daß sie einsmahls diesem verdrießlichen Übel abzuhelffen die Höhle zuge-mauret: Allein, die Mauer ward in kurtzer Zeit nieder geworffen; und der Wind fienge annur destohefftiger zu wüten. Wann der Schnee beginnet zuschmeltzen / so entstehen gleichfallsWinde: Dann es bekommt alsdann die trockne / unter dem Schnee vermischte Außdünstungdardurch Platz und Gelegenheit sich heraus zu dringen. Drittens: Weilen die roth=feurigeFarbe an dem Himmel, der Sonne, dem Mond und denen Wolcken keiner andern Ursachehaben / Winde bedeutet / als daß sie anzeiget; die Lufft seye mit rauhigen und dürren Außdün-stungen häuffig angefüllt: Weßwegen auch die Cometen auf starcke Sturm=Winde ziehlen /indeme ihre Flamme von häuffigen zusammen gesetzten Außdünstungen unterhalten und ernäh-ret wird. Vierdtens: Weilen die Winde außtrücknen; und zwar dahero / daß sie aus ei-ner warmen und trockenen, nicht aber fetten Materi (dann sonsten würde sich dieselbe entzün-den) bestehen. Und erzehlet P. Schottus, daß / wann zu Panormo in Sicilien der Wind / densie allda Sirocco heissen, und der aus dem Africanischen Meer durch die in der mittelländi-schen See liegende Insulen dorthin kommet, zu wehen beginne, die Leute vor Hitze und Trück-ne die Zunge aus dem Mund hervor thun, alle Fenster und Thüren an ihren Häusern ver-schliessen / sich an dunckle mit Wasser besprengte Oerter begeben / und allda halb verschmachtetsich aufhalten müssen. Fünffrens: und fürnemlich; weilen man nicht siehet, warum derWind, wie ich unten im dritten §. vermelden werde, in einer bewegten Lufft; und nicht auchin dergleichen bewegten Außdünstungen, sowohl wann die Dämpffe mit vermenget, als auchwann sie nicht untermischt wären / solte bestehen können.§. 2. Die Materi der Winde bestehet nicht allzeit aus einer pur trocknen undwarmen Außdünstung; sondern sie ist auch mit einem feuchten Dampff untermenget.Dann Erstlichen, weiß männiglich, das die Winde zu weilen feucht seyen. Zum andernwehen sie offtmahls einen gantzen Monat hindurch von dem Meer her: Und ob schon dasselbeaus sich selbsten wegen der Erdischen Vermischung (davon seine Saltzigkeit genugsam Zeug-nuß giebet) auch Dünste auslassen kan; so ist doch nicht wahrscheinlich, daß derselben eine sogrosse Menge daraus herkommen solte. Zum dritten; Können aus eben der Ursach, wel-cher wegen die von der Sonne aufgezogene Außdünstungen sich schregshin bewegen, auch dieDämpffe schreghin getrieben werden, und also einen Wind oder ein blasen verursachen. Zumvierdren: Weilen gemeiniglich auf einen Regen ein Wind zu folgen pfleget; wann nemlichaus der befeuchteten Erde viel Dämpffe aufsteigen. Und endlich / wann die Außdünstung undder Dampff nicht der Winde Materi wären, so würde man keine Ursachen anzeigen mögen,warum zu gewissen Jahr=Zeiten die angenehme Hunds=Täg=Lüfftlein, und andere gewohnlicheWinde aus gewissen Gegenden herkämen und entstünden.§. 3. Es kommt mir glaublich vor, daß auch offt die Winde nur allein in derBewegung der Lufft bestehen: Dann Erstlichen gehet an gewissen Orten ohnaufhörlich