Philosophische und Politische BeschreibungTheil aber dunckel ist; auch die Sonne ihr gerad gegenüber / und wir zwischen der Sonnund der Wolcke stehen; Ergo: Welches wir mit einem Gleichnuß erharten und bestettigenwollen: Stelle zu dem Ende einige Becken so viel du wilt / an den Sonnen=Schein; so wirdin einem jeden der Sonnen Bildnuß sich erzeigen; hergegen aber wird ein See, so groß erimmer seyn mag / daselbe nur einfach vorstellen; weilen nemlich eine jede mit ihren Gräntzenumschriebene glatte Ebene nur ein einiger Spiegel ist. Dannenhero / nachdem die unzeh-liche Tropffen einer thauenden Wolcke nichts anders als soviel Spiegel seynd; so wird von einem jeden solchen Tropffen der Sonnen Bildnuß / wiewohlen angeführter Ursachen halberHieraus nun folget /verwirrt und unkänntlich / vorgestellet.Erstlichen: Daß es nicht nur Regen=Bogen abgebe / die sich zuruck biegen; in wel-chen zwar die Sonne gesehen wird; sothane Regen=Bogen selbsten aber nicht an einem jedenOrt / sondern nur allda ins Gesichte fallen / wo der Mittel=Punct (Centrum) der Sonnen /der Augen und deß Regen=Bogens auf einer Linie stehen: Sondern auch einige seyen / die sizurück brechen / und die aller Orten / wie auch in zerschiedener form sich sehen lassen: So dader Regen=Bogen nicht unrecht kan beschrieben werden; nemlich entweder das er seye eine voneiner thauenden und hohlen Wolcke / wie von einem Spiegel beschehende Zuruckbiegung; odereine unterschliedliche Zurruckbrechung deß von der Sonnen innerhalb der Wolcke herfürge-brachten Lichts.Zweytens: daß der Regen-Bogen keine wahrhaffte, sondern nur Schein-Farbenhabe: Ursache; weilen auch dergleichen Farben in einem durchsichtigen Cörper aus einenVermischung deß Lichts und Schattens entstehen; wie an einem dreyseitigen Glaß / und demHalß der Tauben / davon oben gemeldet worden / wahrzunehmen. Gleichwie nun selbigund andere solche Dinge keine wahrhaffte / sondern nur Schein-Farben haben; also last sichein Ebenmässiges von den Farben deß Regen-Bogens urtheilen.Dritrens: Das die gelbe Farbe, die man auch in dem Regen-Bogen siehet, keinenbesondern Halb-Kreyß neben der licht=rothen und grünen Farbe / als aus deren Vermischungjene entspringt / an dem Bogen mache. Und obwohlen einige noch mehr andere Farben andem Regen=Bogen zehlen wollen; so seynd doch selbige samtlich blaß=Neben=Farben, die ausder Vermischung der 4. Haupt=Farben herkommen.Viertdens: Daß, gleichwie wir gemeldet, daß die Sonne deß Regen-Bogenswuͤrckende Ursache seye; also auch der Mond es zuweilen seyn könne. Derowegen etlichSonnen-andere aber Monds-Regen-Bogen genennet werden; welche letztere deß PhilosophiMeynung nach darinnen von den Sonnen-Regen=Bogen unterschieden schieden sind / weilendie Monds=Regen=Bogen so wohl fast einfärbig / als auch gar selten erscheinen; selten zwardarum, weilen der Mond, wann er nicht voll ist, kaum so viel Stärcke hat, daß er eineWolcke ein wenig durchdringen und färben könne: Wiewohlen Timon nebst andern bezeugedas er zum öfftern Monds=Regen=Bogen gesehen habe. Einfärbig aber seynd sie meistentheiledeßwegen, weilen die schwache Monds-Strahlen nicht tieff in die tunckle Wolcken eindringen,sondern nur auf derselben Oberfläche mit einem bleichen und gebrochnen Licht erscheinen.Politische Schluß=Rede.Durch Allianzen mit frembten Staaten wird derFriede erhalten.Er Regen=Bogen ist ein Ring, womit der Himmel ihme die Erde anvertrauet und ver-bindet; und weit von einander entfernete Dinge zusammen füget. Gleichwie aber dser Himmels=Bogen jederzeit vor ein Zeichen deß Friedens gehalten worden; also spre-sen auch die Oehlbäume deß Friedens und dann die Lorbeer=Kräntze durch Freundschafft unVerbindung außländischer Fürsten in die Höhe. Solches haben die Locrenser an dem Han-nibal mit Nutzen erfahren; allermassen Livius bezeuget: Daß man auf Befehl deß Hanni-bals denen Locrensern Friede gegeben; und seye die Bündnuß also eingerichtet worden /daß die Carthaginenser denen Locrensern / und diese jenen hinwiderum zu Kriegs= undFriedens=Zeiten Hülffe leisten solten. Ich weiß nicht / ob irgend ein Fürst / von welchemich noch gelesen / sich besser auf nöthigen Allianzen Aufrichtung verstanden habe / als der hochberühmte Welt=Monarch / und Schrecken seiner Feinde / der unzehlich viel Lorbeer=Zweige ein-gesammlet / nemlich Kayser Carl der fünffte: Dann derselbe hat gleich in der Jugend und inAnfang seiner Regierung mit außländischen Staaten beedes eine Waffen und auch eine Gmüths=Vereinigung getroffen; Gestalten er seine zwey Schwestern / die Eleonora dem Kö-
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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