der / die gnad auf
der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Es wird aber hierbey gefragt, Erstlichen: Warum die Sonnen-Striche gegen undnahe bey dem Erdboden breiter seyen? Antwort: Weilen die Strahlen, die aus dem gegen-überstehenden Sonnen-Rand ausgehen / in natürlichen Verstand (sensu physico) nicht pa-rallel oder gleich hinlauffen / sondern je mehr sie fortgehen / je weiter sich aus- und von einan-der breiten; ohngeachtet hergegen die aus einerley Punct der Sonnen ausgehende Strahlenin natürlichen Verstand für parallel und gleichfortlauffend gehalten werden.Zweytens: Um welche Zeit die Sonnen=Striche erscheinen / und was sie bedeuten?Antwort: Man siehet sie meistentheils um die Morgen- und Abend-Stunde; Wann nehm-lichen die Sonne die Materi der Wolcken durch ihre Strahlen nicht leichtlich verzehren kan.Im übrigen seynd sie allezeit ein Zeichen eines folgenden Regen=Wetters; weilen der grösteTheil der Wolcke voll Wassers, und dahero desto stärcker und dicker ist; auch sich hernachbald zu tropffen auflöset / und in einen Regen ergiesset.J. 3. Die Neben=Sonne wird nicht unrecht beschrieben / das sie der Sonnen Bild-nuß seye / so neben derselben in einer Wolcke erscheine. Die Griechen und nach selbigendie Lateiner nennen sie Parelion, vom παρα und κλιον, das ist / neben der Sonne; weilensie sowohl dem Glantz / als der Figur nach der Sonne gleichet.4. Der Ueben=Sonne Subjectum oder Materi ist eine Wolcke; welche aber seynmuß; Erstlich: dick, damit sie die Sonnen-Strahlen nicht völlig hindurch gehen lasse, son-dern die aufgefangene Sonnen-Gestalt behalte, und nach Art eines Spiegels, von deme dieBildnussen zuruck gebogen werden, beschliesse: Dann die Bilder pflegen nicht zuruck zuprel-len, wann sie nicht auf etwas anstossen, darvon sie an ihrem weitern Fortgang aufgehaltenwerden; Welcher Ursachen halber man auch die gläsern Spiegel von hinten mit Bley über-ziehet. Zweytens: Glatt und eben; weilen ungleiche / rauche und unreine Wolcken darzunicht tauglich seynd; allermassen bey uns ebenfalls rauhe, besteckte und unpolirte Dinge kei-ne Bildnuß annehmen und vorstellen können. Drittens: Sillstehend und unbeweglich;dann wann die Wolcke nicht still stünde, so könnte die Sonne wegen der Bewegung ihr Bild-nuß nicht darein werffen / sondern dasselbe würde zerstreuet werden; gleichwie solches an einembewegten Wasser abzunehmen / darinnen die Bildnussen der Dinge sich untereinander verwir-ren und zerstöhren. Vierdtens: Wässerig und feucht; weilen in dergleichen Wolcken derSonnen Bild unschwer zuruck strahlt; Eben wie auch in dem Wasser, welches gleicher Na-tur mit den Wolcken ist, die Bildnussen herausscheinen. Und dann Fünfftens: Muß die-selbe der Sonne zur Seite und schreghin, das ist nach Suden und Norden (die da gleich-sam die Seiten der von Aufgang nach dem Untergang lauffenden Sonnen seynd) entgegenstehen, damit sie das gantze und völlige Bild der Sonnen einnehmen und wieder zuruckwerf-fen könne: Dann nachdem die in der Wolcke zuruck gebrochne Sonnen-Strahlen / sowohldas Bild, als die Farbe der Sonnen unserem Gesicht vorstellen; so haben wir der SonnenBild darinnen nicht anders als in einem klaren und stillen Wasser zu beschauen.. 5. Die Neben=Sonnen können weder unter noch nahe, bey oder weit vonder Sonnen, und gerad gegen über erzeugt werden: Das Erste mag darum nicht gesche-hen, weilen die Sonne die ihr so nah stehende Wolcke zertheilen wurde; das Andere kan deß-wegen nicht seyn, weilen wegen der weiten Entfernung und Schwachheit unsers Gesichts keineoder eine gar geringe Reflexion oder Zuruckprellung und Bild=Eintruckung sich ergeben würde.Man möchte aber fragen: wie viel es Neben=Sonnen zu geben pflege? Antwort: Ge-meiniglich zwey; Obwohlen es geschehen kan, das nicht nur zwey, sondern auch wohl mehrSonnen erscheinen. Dann es ist nicht unmöglich / das etliche Wolcken auf obbeschriebene Art undWeiß dergestalten zustehen kommen / daß die auf eine derselben erstreckte Sonnen=Bildnußeine andre Bildnuß in eine andere Wolcke, und diese wiederum in eine andere eindrucke. Da-hero wurden einsmahls drey Sonnen gesehen; Also daß die wahrhaffte Sonne auf jeder Sei-te eine andere neben sich stehen hatte: Dergleichen sich zu Cammerich solle zugetragen habenwie Frodoardus bezeuget. Anno 1628. den 20. Mertzen seynd zu Rom 4. Sonnen erschienen,die das Gassendi Bericht nach sich folgends in weise Wolcken verwandelt haben. So schrei-ben auch ihrer etliche / das man zu Dietmarsen fünff Sonnen gesehen. Milychius aber ver-meldet, das der König in Pohlen einsmals sechs Sonnen zugleich wahrgenommen habe.Dergleichen Cardanus ebenfalls erzehlet / und noch dieses beygerucket; selbige Sonnen hättendermassen klar und hell geleuchtet, das man sie von der rechten wahrhafften Sonne nicht un-terscheiden koͤnnen.Hierauf entstehet ein Zweiffel; ob dasjenige, was man siehet, das Liecht seye, so imder Wolcken zuruck gebrochen wird; oder aber ob es die Sonne selbsten seye / die aus der Wol-cke / wie aus einem Spiegel zuruck scheine?§. 6. Es ist glaublich / das es die Sonne selbsten seye / die man in der Wolcke /