der in der obern Lufft erzeugten Dinge.bloß dem Schein nach befinden. Und gleichwie die Feuer-Flammen wegen der mannigfalti-en Vermischung deß Rauchs unterschiedliche Farben als rothe grüne gelbe zu zeigen pflegen;also kommen uns der Gestirne / absonderlich der Sonnen und deß Monds Species oder Schein-Bilder zufolge der mannigfaltigen Beschaffenheit deß Zwischen Raums / der zwischen ihnen undunserem Aug die Mitte hält, auch auf unterschiedliche Weiß ins Gesicht. Dannenhero unsdie aufgehende Sonne wegen der vielen Dünsten / womit die Superficies oder Oberfläche besetztist / roth zu seyn bedunckt; da sie doch zu gleicher Zeit in Ansehung eines anderen und etwa ho-hern Horizonts oder Gesichts=Crayses darum gelb erscheinet, weilen nemlich die im Zwischen-Raum befindliche Dämpffe durch der Strahlen Hitze verzehret seynd / und keine Dunckelheitgeſtatten.Hieraus nun folget, daß dieser Farben Material-Ursache, darinnen sie nemlich hafften,ein Dampff oder Ausdunstung / oder ein dick=gemachter Lufft / oder auch insonderheit ein Was-ser so sehr erdünnert worden; die Formal=Ursach aber ein mannigfaltig geartetes Licht seye; sodie Corpora und andere solcherley Dinge erleuchtet / die hernach ermeldtes Licht weiters fort-werffen, und die Materi zu Annehmung dergleichen Farben zubereiten und geschickt machen.Jedoch kan man hierwider einwenden / Erstlichen: Die Schein-Farben verändern sich /so offt das Aug seinen Stand verändert; wie solches bey denen Farben, die an dem Halß einerTauben erscheinen, beobachtet wird: Dieses aber ereignet sich keines Weges bey denen Wol-cken; dann ihre Farben bleiben beständig, ob schon das Aug seinen Ort verändert: Derohal-ben folget Zweytens: Die Wolcke behält offt ihre gelbe Farbe nach dem Untergang der Son-nen eine gantze viertel Stund lang: Derowegen muß diese Farbe bey den Wolcken nicht vonder Vermischung deß Lichts und Schattens herrühren. Allein / es wird auf das Erste geant-wortet: Der Stand deß Augs verändere sich nicht leichtlich so sehr / daß auch in Ansehung er-deuten Stands in der Wolcken die Vermischung deß Lichts und Schattens müsse verändertwerden; welches letztere gleichwolen sich unschwer an dem Tauben-Halß ereignet / als dessenFarbe leichtlich eine Veränderung annehmt, weilen die subtileste Dunckelheit der krausen Fe-derlein ebenfalls sich leichtlich verändert. Bey dem andern hergegen widerspricht man die Fol-gerung: dann obschon die Sonne unsern Augen nach untergangen / so ist doch solches in Anse-hung der Wolcken nicht geschehen; als welche / weil sie ober dem Horizont oder Gesichts-Crayß und an einem erhabnen Ort stehet / annoch gesehen / und von der Sonnen dieselbe vier-tel Stund über / durchdrungen wird; einfolglich die vorige Farbe beständig verharret / so langals das Wolcken durchdringende Sonnen-Licht vorhanden ist.Es kommt aber annoch die Frage vor Erstlichen: Wie doch die weisse schwartze rothe,grüne / und andere Mittel=Farben erzeugt werden? Antwort: Die weisse Farbe entstehet daher /wann das Licht der himmlischen grossen Facklen auf eine aus einem dünnen / subtilen Dampf be-stehende Wolcke einfället, sie durchtringt, und in ihrem gantzen Cörper gleichaus sich vertheiletund ausbreitet. Die schwartze Farbe findet ihren Ursprung in einer aus einer dicken und gro-ben Materi bestehenden Wolcke. Die rothe Farb ereignet sich / wann die Wolcke ein feuchtes /rauchiges / mit einem irrdischen Brand vermengtes Wesen mit sich führen / wodurch die darauffallende Sonnen=Strahlen nicht durchdringen; sondern zuruck geworffen und verdoppelt wer-den / mithin also die rothe Farbe herfür bringen. Die grüne Farbe aber entspringet daher /:wann eine wässerige und thauende Wolcke / so das Licht eingenommen / zu tropffnen anfahetDann durch dasjenige, was in die wässerige Materi eingedrungen, wird die grune Farbe erzeu-get. So viel im übrigen die andere Mittelfarben belangt / so pflegen dieselbe aus der Vielheitoder Mangel deß einfallenden Lichts aus der Eigenschafft der Zwischen-Raums / und aus derunterschiedlichen Beschaffenheit der Materi ihren Uhrsprung zu nehmen.Zweytens: Warum der Himmel / wann er heiter ist / blau zu seyn scheine? Antwort:Solches rühret dahero; weilen alsdann sich in der Lufft kein dunckler Cörper befindet, der dadie Augen verhindern oder betriegen könne; deßwegen das Gesicht nur die blosse Lufft alleinvor sich hat; welche / weilen sie der allerdünneste und subtileste Cörper ist / denen Augen auch imsehen keine Gräntzen vorschreibet; je weiter aber ein Object oder Ding von den Augen abstehet,je mehr wird selbiges sich auf die schwartze Farbe ziehen. Indeme nun also die Gesichts=Strah-len bey heiterem Himmel kein Ende erreichen, so geschiehet es, daß durch die Vervielfältigungder Lufft=Superficierum, oder Oberflächenen Wegen gleicher Licht= und Schattens=Vermischungdenen Augen eine Mittelfarbe, das ist, eine blaue vorgestellt wird: nichts anders als auch dieweit=entlegneste Berge eine blaue Farbe / die von eben solcherley Vervielfaͤltigung der Luffes-Oberflächenen verursachet wird / an sich zu zeigen pflegen.Drittens: Was die weisse, schwartze und grüne Farb bedeute? Antwort: Die weisseFarbe verkündet schönes und trucknes Wetter, weilen diese dünne und subtile Wolcken wenig,oder gar keine Feuchtigkeit in sich halten / und demnach leichtlich vertrieben werden. Die schwar-tze Far-
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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