Philosophische und Politische BeschreibungDie II Esrage.Von denen Farben / die in der Lufft erscheinen.Jie Erfahrung bezeugt es / und wir sehen es mit leiblichen Augen / daß zuweilen einigeFarben / und zwar meistens alsdann / wann die Sonne untergegangen / oder die Mor-genröthe herfur bricht / an denen Wolcken erscheinen / und dem gantzen Welt=Gebäudeine nicht geringe Zierde beylegen: indeme bald rothe/ bald gelbe oder weisse/ bald grü-ne und Aschenfarbige / bald auch obscure und dunckle Wolcken sich ins Gesichte stellen; wi-dann insonderheit viererley Arten dieser Farben / nemlich graue / schwartze / rothe und grüne wahr-genommen werden. Wobey der Zweiffel vorfället; ob dergleichen Farben recht eigentliche undwahrhaffte Farben seyen / und woraus sie entstehen?§. 1. Die Farben / so an denen Wolcken erscheinen / seynd nicht eigentliche undwahrhaffte Farben der Wolcken; oder der Ausdünstungen und Dämpffe / woraus dieWolcken bestehen. Und dieses beweisen wir aus der Wolcken Unbeständigkeit und stetigerVeränderung: dann wir sehen / daß selbige / wann die Sonne sich ihnen nahet / roth und pupurfarbig / sobalden aber das Sonnen-Licht weichet oder verschwindet, wiederum weiß / aschenfarbicht und schwartz (nachdem nemlich viel oder wenig Licht auf sie anfället, oder die Wolckergenaturt seynd) zu werden pflegen: welches demnach ein Zeichen ist/daß solche Farben nicht ausden Wolcken selbsten / oder aus denen Ausdünstungen und Dämpffen / als die allda verharrlichbleiben / herkommen und entstehen müssen.§. 2. Die Farben / so in denen Wolcken erscheinen / seynd auch weder der Sonnen /noch ihrer Strahlen eigenthumliche Farben: Weilen die Wolcken allerley Arten der Fa-ben annehmen / und also bald grün / bald purpurroth sich sehen lassen: Nun seynd aber wederdie Sonn noch ihre Strahlen grün oder roth; derohalben bleibt es bey obigem Schluß.Doch könnte dargegen eingeworffen werden / Erstlich: Die Wolcken seynd deSonnen Spiegel; dahero gleichwie die Farben, so in einem Spiegel vorgestellt werden, dselbst=eigne Farben der vorgestellten Dinge seynd; also folget / daß auch die Farben / die in denWolcken erscheinen / der in selbigen durch Zuruckbiegung der Strahlen vorgestellten Sonne ei-gene Farben seyn müssen. Zweytens: Die Farben / die man in einem finstern Gemach / dabloß ein kleines Löchlein offen gelassen / und demselben gegen über ein weisses Papier aufgehenwird, seynd die eigentliche Farben deren Dingen, die auf der Gasse vorüber gehen: und indemesolches alles vermittelst deß zuruck geworffenen Scheins geschiehet; so hat man eben dergleichenauch von denen Farben der Wolcken zu sagen. Ich antworte aber auf das Erste: Es findesich hier gantz keine Gleichheit: Dann in dem Spiegel siehet man die Farben deß Objects, dessen Schein auf einem solchen glatten Cörper sich zuruck bieget: Allein / weilen hergegen in denWolcken eine andere Farbe / die von der Farbe der Sonne und ihrer Strahlen unterschieden isterscheinet / so ergibt sichs daher / daß in den Wolcken keine dergleichen Zuruckbiegung der Farbenfürgehen könne. Auf das andere / gebe ich ebenfalls obige Antwort: Nemlichen / daß in dem-selbigen Einwurff das Object gleiche Farben habe, die allda auf das Papier zuruck fallen, undgesehen werden können; in den Wolcken aber Farben erscheinen / die sich in der Sonne nichtbefinden.§. 3. Die Farben, so man an denen Wolcken siehet, seynd keine wahrhafftigesondern nur also scheinende Farben; welche theils aus der unterschiedlichen Beschaffenheitder Materi, auf die das Licht der Sonne, deß Monds, und anderer Sternen einfällt; theils ausdem unterschiedlichen Stand deß lichten Coͤrpers; theils aus der Eigenschafft deß Zwischen-Raums / wodurch ersagtes Licht fortgehet / oder die sichtliche Schein=Dinge nach den Augen an-dringen; und dann theils aus der zerschiedlichen Vermehrung oder Verminderung deß Lichtsentspringen. Dieses wird mit ein= und anderen Gründen erwiesen; und zwar Erstlichen / sowerden in einem dreyeckichten Glaß/ wann man selbiges gegen das Licht hält / wegen Mannigfaltigkeit deß ungleichen Düncklen oder Schattens / und wegen deß unterschiedlichen Licht=Ein-falls ebenmässig zerschiedene Farben herfür gebracht. Zweytens: Eben solcherley Farben erscheinen auch an dem Halß einer Taube; wo die zärteste Federlein einiger massen durchsichtigseynd / und wegen deß Halses krauser Wasserung eine ungleiche Dunckelheit verursachen: wel-che Farben jedoch weder in dem dreyeckichten Glaß / noch an dem Tauben=Halß / wahrhafftig / son-dern nur dem Schein nach vorhanden. Derohalben können ebenfalls aus einiger Vermischungdeß Lichts und deß Duncklen oder Schattens in einem durchsichtigen Cörper, gleichwie dieWolcke ist / dererley Farben zwar entstehen; welche sich aber daselbst nicht wahrhafftig / sondern
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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