der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Straß hergegen stehet von Anfang der Welt / behält auch jederzeit einerley Gestalt / Klarheit /Grösse und dicke; ungeachtet doch im Winter wenig / im Sommer aber sehr viel Ausdünstun-gen sich in die obere Lufft=Gegend erheben; so folget demnach / daß die Milch=Straß eben sowenig / als die Sonn und der Mond / ein Mercorum seye. Fünfftens: Wann deßwegen nureine so grosse Menge Ausdünstungen in der Milch=Straß sich zusammen hauffeten / weilen derTheil deß Himmels / darunter sie lieget / mit unzehlich vielen und glantzenden Sternen gleichsambesäet ist; so müste eben dergleichen immerdar in anderen Lufft=Gegenden sich zutragen; in wel-chen (auch ausser dem Thier=Crayß) wann schon nicht so unzahlbare und grosse Gestirn befind-lich / doch gewißlich deren soviel seyn müsten / die noch mehr andere solche obgleich etwas dunck-lere Cräyse zuwegen bringen könnten.Woraus dann wider die Gegnerische Beweiß=Gründe sich ergiebet / Erstlichen: daß /wann gleich zuweilen unter irgend einem Gestirn eine Ausdünstung=Materi sich zusammen sam-let / dardurch ein haarichter Stern gebildet wird / doch unmöglich so viel tausend Jahr her / ein sogrosser Hausse Dünsten unter denen Sternen brennen / und einen unmäßlich grossen Crayßmachen könnten / sondern zuletzt nothwendig sich verzehren und verschwinden müsten.Zweitens: Daß die Milch=Straß nicht wegen der unterschiedlichen Gestirnen / so dieDämpffe in die Höhe ziehen / an einem Ort grösser und heller/ und an einem andern kleiner unddunckler erscheine; sondern es daher rühre, weilen die Theile deß Firmaments/worinnen ermeld-te Straß lieget / wie hiernechst erwehnt werden solle / nicht allenthalben oder durchaus eine glei-che Dicke und Mannigfaltigkeit habe..4. Deinnach stehet die Milch-Straß an dem Firmament. Welches über obigangeführtes annoch darmit zu beweisen; weilen die Sterngelehrte beobachtet / daß dieselbe keineParalaxin oder Schein=Unterscheid habe; sondern man sie / ob schon an unterschiedenen Ortenund Landen / gleichwolen immerdar durch einerley und eben dieselbe Gestirne gehen sehe. Unddann auch / weilen sie mit dem Firmament einerley Lauff / nemlich von Osten gegen Westen / undhinwiederum von Westen gegen Osten führet / das ist / in hundert Jahren einen Grad hinter-sich leget.§. 5. Ist also die Milch-Straß ein Theil von dem Hummel oder dem Firmamentder mit unzehlichen und zwar so kleinen Sternen gezieret stehet / daß man sie mit demAug nicht erreichen kan; welche Sterne dann / weil sie sich so genau zusammen fügen /ersagten Himmels Theil gantz hell / und gleichsam zu einer Binde machen / auch einfolg-lich einigen Glantz von sich geben. Solches hat man klar vor Augen wann man selbigeHimmels=Gegend bey hellem Wetter durch ein grosses / wohl=zugerichtetes Fern=Glaß betrach-tet: dann da wird man ersagte Gegend mit einer ungeheuren Menge kleiner Sternlein / über-streut befinden / von der weissen Milch=Farbe aber dabey nicht das geringste erblicken. DieSache laßt sich durch eine Gleichnus oder Exempel erläutern: Nemlichen / nimme zwey mitschwartzer Farbe überstrichne Brettlein; auf das eine verzeichne einige weisse / jedoch grosse undzimlich weit voneinander / auf dem andern hergegen gleichfalls weisse / aber kleine und sehr viel /auch eng beysammen stehende Puncten: Wann du nun hierauf ermeldte Brettlein oder Täfe-lein in mercklicher / doch gleicher Weite von dir hinstellest / und selbige anschauest; so werden sichauf dem ersten etliche weisse Puncten erzeigen; das andere aber wird ohngeachtet seiner schwar-tzen Farbe gantz weiß erscheinen. Und eben dergleichen hat man sich auch an dem Himmel beydenen grossen voneinander entferneten; Item von denen kleinen und nahe beysammen stehendenSternen einzubilden. Dannenhero fahen wir wieder vornen an / und machen diese Folgerung /Erstlichen: Daß ein jeder besonderer weisser Flecke / der an etlichen andern Himmels-Gegen-den auch angemercket wird / von einer gleichmässigen Menge versammleter Sternen herrühre.Zweytens: Daß etlicher Alten von dieser Milch=Strasse gehegte Meynungen in eitlenund leeren Gedichten bestanden seyen: Dann Pythagoras traͤumete / diese Strasse seye durchden Fall eines Gestirns; oder / wie andere vorgaben / durch durch den Sturtz deß Phaëtons ge-macht worden: Einige glaubten / es seye der Juno, die den Mercurium gesäugt / die Milch aus-gestossen; und darvon dieser Himmels=Circkel entsprungen: Theophrastus aber wolte behaup-ten / dieselbe seye eine Himmels=Binde / oder Fuge; indeme GOtt den Himmel in zwey Theile /oder zwey Schüsseln zerschnitten / und hernach vermittelst dieser annoch sichtbaren Löthung zu-sammen gefüget habeIst noch die Frage übrig: Was diese Milch=Strasse für eine Würckung habe? Plini. Plin. I. 2.us schreibt: sie habe die Krafft / die Erdgewächse zu befeuchten / und mit dem herrlichsten Safft c. 20.oder Milch zu ernähren und anzufüllen: dann / fährt er weiter fort / durch den Ab= oder Einflußerdeuten Saffts / werden alle Saamen gleichwie aus einer vollen Brust geträncket / das ist /fruchtbar und trächtig gemacht. Ich aber meines Orts finde nicht / daß die Milch=Strasse
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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