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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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110Philosophische und Politische Beschreibungteles und viel andere der alten Weltweisen das Widerspiel gelehret; so haben wir sie doch zuder Sachen Untersuchung anhero unter die Meteoren gestellt.§. 1. Die Milch=Strasse ist kein Stern=Licht / wie Democritus und Anaxagorasdarvor gehalten / so von der Sonne wegen der Erden Zwischen=Stand nicht bestrahlet; oderaber durch der Sonnen-Glantz verdunckelt wird: Dann Erstlich kan es nicht seyn / daß dieSonne nicht jederzeit alle Ohnirrsterne bescheine; indeme dieselbe viel grösser ist / als dergantze Erdboden; und wie die Perspectiv=Verständige erweisen / wann ein dunckler Cörper ge-gen einem lichten überstehet / und dieser letztere grösser ist / als der erstere / so kommen die aus denlichten Cörper ausgehende Strahlen hinter dem Schatten / den der dunckle Cörper von siewirfft / wieder zusammen; und werden also in ihrer Ausbreitung nicht verhindert. Zu deme soreichet der Erden=Schatte nicht über deß Mercurii Sphæram hinaus: dadurch dann geschiehetdaß der Zwischen=Stand der Erde die Sonne nicht hindern kan / ihre Strahlen auf die Ohnirrsterne zu werffen. Zweytens: Ob auch dieses schon zugegeben wurde, so wäre es dochnoch keine Verursachung der Milch-Strasse; angesehen alsdann die Sonne zu zerschiedenenZeiten bald diese / bald jene Sterne / und zwar anders in denen Südlichen / anders in denenNordlichen Zeichen / und wiederum anders in dem Æquinoctial-Circkel wegen ihres eingebognenLauffs bestrahlte; auch man dahero nicht immerdar an einerley und eben denselben Sternen dieMilch=Farbe wahrnehmen; oder dieselbe stetshin einerley Gestalt behalten / sondern nach Beschaffenheit der Zeit sich ändern müsten: Welchem aber die offenbahre Erfahrung genugsamwiderſpricht.§. 2. Die Milch-Strasse ist auch nicht eine pur lautere Zuruckprellung deßLichts (dergleichen in denen Spieglen geschiehet) noch eine pur lautere Hitze oder dickeFeuer; wie Macrobius und Diodorus vermeineten. Das Erste erhellet aus deme / was wirerst vorhero angeführt; weilen sonsten die Milch=Straß nicht beständig an ihrem alten Ortver-bliebe / sondern ihren Stand nach dem Umlauff deß lichten Cörpers einrichtete und veränderteDas Zweyte wird daraus bewiesen / daß weder die Hitze / noch das Feuer tüchtig seyn / eineweisse Farbe zu verursachen; und gesetzt/ wann sie es wären; woher sollte/ und zwar nur an diesem Theil deß Himmels / ein so mächtiges und beständiges Feuer oder Hitze entstehen können§. 3. So ist ebenfalls die Milch=Straß nicht irgend ein grosser, dünner in derobern Lufft=Gegend stehender Comet; oder eine weit=ausgebreitete / überfliessende / unddick gewordene Ausdünstung / die von denen vielen ober derselben befindlichen Sterner(welche auch zu dem Ende immerdar aus der Erde so viel Nahrung, als zu Erhaltung eines sogrossen Meteori vonnöthen ist, empfangen) entzündet wird. Und solches behaupten wir wArist. I. 1. der den Aristotelem, welcher sich zu dergleichen Meynung dadurch verleiten lassen / ErstlichenMeteor.Weilen / gleichwie eine zum Feuer=fangen und erhalten tuchtige Ausdünstung / wann sie irgenunter einem Gestirn sich zusammen gesetzt, die Gestalt eines haarichten Sterns vorstellet; alses glaublich scheine / daß ein ebenmässiges sich unter der höchst=gläntzenden Gestirn-Versamm-lung, die ober der Milch-Strasse stehet, sich ereigne, und allda nicht nur in einen, sondern in un-zehlich viel baarichte Sterne zusammen wachse / welche dieselbe gantze Strasse mit einem feuri-gen Licht erfüllen; oder die hitzige und truckne, an demselben Ort hinauf geführte, und zu einemdunnen Wölcklein gemachte Ausdünstung anzünden. Es könne sich aber leichtlich eine gros-Menge der Dünste in dieselbe Gegend darum aufschwingen; weilen die Sonne ihren Laufnicht dorthin führe; und also auch diese Materi nicht möge verzehret werden. Allein / das un-ter dem gantzen Thier=Crayß, welcher mit grossen und hell=scheinenden Sternen besetzet ist, de-rerley Milch-Glantz nicht erzeige; entspringe daher, daß die Sonne und die andere Planetenallda ihren beständigen Lauff haben / und solche Materi völlig verzehren. Zweytens; weilendie Milch=Straß nicht durchaus ihr selbsten gleichförmig / sondern da und dorten entweder breiter, oder schmähler, oder heller, oder tunckler, oder an einem Ort einfach, und an einem anderengedoppelt seye; welcher Unterscheid muthmaßlich keinen anderen Grund habe, als daß die Aus-dünstung / nach der Grösse und Krafft deß Gestirns / viel oder wenig aus der Erden aufsteige /und die Strasse mit solcher Mannigfaltigkeit unterscheide. Also philosophirte und urtheilteAristotelesHierwider aber wird eingewendet; Erstlichen: Woher hat die Erde von Erschaffuder Welt biß daher / eine so grosse Menge Ausdünstungen ohne aufhören nehmen können?Zweytens: Woher rührt es / daß je klarer und reiner der Himmel von Dünsten ist / je helleund weisser diese Straß erscheinet? Item; wie würde sie immerdar einerley weisse Farb bestän-dig behalten / wann sie aus Dünsten / die nach der mancherley Beschaffenheit der Materi auch ze-schiedene Farben an sich nehmen / bestünde? Drittens: Was seynd es wohl für Gestirne / dein so langwüriges Meteorum verursachen? Vierdtens: die Meteoren pflegen nicht bestä-dig zu bleiben / sondern verschwinden wiederum / und lassen sich nur zu Zeiten sehen; Die MilchStraß