Philosophische und Politische Beschreibungeines Schwerdts ein gantzes Jahr lang sich gezeiget habe: wie dann auch derjenige Stern / derin Anno 1572. geschienen / 16. gantzer Monat lang in dem Stern=Bild der Cassiopea sich aufge-halten: Und von dem vor der Geburt unsers Heylands im Morgenland gesehenem Sternwill berichtet werden / daß selbiger zwey völliger Jahr lang geleuchtet: Obwohlen diese drey letz-tere vielmehr für Wunder=als für natürlich=entstandene Lufft=Gesichte zu achten seyn mögen.§. 5. Die natürliche Cometen haben gantz keine gewisse Zeit; wie aus ihren wür-ckenden Ursachen erhellet; die Unter=Mondische aber ergeben sich gemeiniglich alsdann / wanngrosse Dürre einfället / nach deß Arari Erinnerung:Saepè dat horrendos tempestas sicca cometas.Cometen scheinen nicht so ungefehr;Offt kommen sie von durrem Wetter her.Dann wann die Lufft=Gegend mit trucknen Ausdünstungen angefüllt ist / so fahen diese letztereleichtlich Feuer und entzünden sich; absonderlich da sie von fetten und schweflichten Ausflüssenanderer Materien vergesellschafftet werden. Die Cometen ereignen sich aber fürnemlich in demHerbst; weilen alsdann die grosse Sommer-Hitze welche die Materien der Ausdünstungen ver-zehrt / zwar etlicher massen nachlässet / jedoch annoch dermassen kräfftig ist / daß sie Dünste aus-ziehen kanz die hernach sowohl von einer mässigen Kälte zusammen getrieben / als auch durch dieAntiperistasin und Umstellung / oder durch ihre eigne Zusammenstossung / oder durch die Son-nen=Strahlen angezündet werden. Im Winter aber kommen sie selten zum Vorschein; Tdie kalte und feuchte Zeit ist ihrer Material=Ursache zuwider / und verhindert die warme Dü-ste / daß sie nicht übersich steigen. So ist auch der Frühling wegen allzugrosser Nässe nicht ge-schickt / Cometen zu zeugen; Allermassen die geringe Frühlings=Wärme eine so grosse Last kleich-ter Ausdünstungen / als zu Bildung eines so grossen Cometen=Cörpers vonnothen / nicht in dieHöhe zu heben vermag.Hierauf kommt die Frage vor: Ob nicht / zum wenigsten beyläuffig / der Abstand undEntfernung eines jeden Cometen von der Erde/könne erforscht und erkennt werden? Ich ant-worte mit ja; und giebe zu dem Ende drey Manieren oder Arten solcher Erforschung an dieHand: NemlichenZum ersten laßt sichs erfahren aus der Paralaxi, die ein Comet in Ansehung eines gewis-sen Fix=Sterns der Entfernung halber hat: Dann weilen ein Comet nicht nur einen täglichendem Æquatori oder Mittel=Krayß gleichgehenden / sondern auch einen jährlichen Lauff führen;so muß man beobachten / wann er / entweder Morgends oder Abends anfahet aufzugehen / undnahe bey dem Horizont oder Gesichts-Crayß sich befindet / wie weit er von einem ober ihm ste-henden Stern entfernet seye? und alsdann, wann er bereits den Scheitel-Punct erreicht, mußweiter erkundigt werden, ob noch seine vorige Weite oder Distanz sich ereigne? Findet sich nundieses letztere / so ist es ein Zeichen / daß er nicht niedriger als die Fix=Sternen / sondern an denFirmament selbsten stehe: Hat er aber seine Distanz geändert / so kan man daraus abnehmen,daß er niedriger als dieselbe feye. Dann dafern die Sterne wegen ihrer Weite und Entlegenheit / sie mögen auch stehen / wie sie wollen / an zerschiedenen Orten nicht; die Cometen aber entweder auf dem Horizont und Gesichts=Crayß / oder auf dem Meridiano und Mittags=Circkel ineben demselben und also einerley Stand gesehen werden; so ist daraus zu urtheilen / daß dieSternen und die Cometen in gleicher Distanz und Weite begriffen seyn.Zum andern / aus zweyen zerschiedenen Lichtern; die zwar unter einerley Meridianooder Mittags=Circkel / aber doch um etliche Grad von einander abstehen: Dann wann ein Co-met / den man zu einerley Zeit und Stund observirt / auch einerley und gleiche Distanz und We-te mit einem Fix=Stern hat / der unter eben selbigem Meridiano und Mittags=Circkel befindlich,so ists ein Zeichen / daß er keine Paralaxin habe: Hat man aber in zweyen Observationen be-funden / daß seine Distanz mit selbigem Stern nicht übereintrifft; so hat er bereits eine Paralaxin;da alsdann der Comet auch / wie schon gemeldt / um so viel näher dem Erdboden stehet / um vielgroͤsser seine Paralaxis erscheinet.Zum dritten / aus oder mit dem Faden; dann man pflegteinen Cometen / dessen eigeneLauff von Westen gegen Osten langsam fortgehet, wann selbiger den Meridianum oder M.tags=Circkel innen hat / mit einem vor den Augen in gerader Linie aufgespannten / und durch ermeldten Cometen / auch zwey Sternen / die gegen dem Meridiano über / und mit ihn in einer Pa-rallel oder gleichen Linie stehet / durchgezogenen Faden zu observiren / und zu beobachten; auchsolches, wann er untergehen will, abermahlen zu verrichten; je niedriger nun alsdann der Co-met ist als die Sternen und der durch dieselbe ausgespannte Fadenz je grösser ist seine Paralaxis,und je näher stehet er bey dem Erdboden.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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