Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
96
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Sen. qu.nat. l.7.

Philosophische und Politische Beschreibunggeben; oder vielmehr / wie L. Rhodes sich vernehmen lässet / hätte jemand 70. mahl den gantzenErdboden geschwinder als desselben Cometen ungemeinen grossen Schweiff durchlauffen kön-nen. Unter deß Aristaei Regierung leuchtete ein Comet, der den dritten Theil deß Himmelsder Länge nach bedecket. Zu deß Attali Zeiten ereignete sich einer / der denjenigen Himmels-Strich, so man die Milch=Straß nennet, an Grösse sich vergleichte: wie Seneca berichtet. DieLänge deß letzten Cometen in Anno 1680. war unterschiedlich; indeme derselbe immerdar abge-nommen / und endlich gar verschwunden. Den 29. December hatte der gröste Circkel seinerSphæra 60. Grad, die auf dem Erdboden 900. Teutsche Meilen betragen; seine Breite aberwar damahls 4. Grad oder 60. Meilen. Woraus dann erfolget, daß insonderheit die Ober-Mondische Cometen / als von denen hier fürnemlich gehandelt wird / von einer ungeheurenGrösse seyn müssen: Angesehen sie eben so hoch stehen als die Planeten / und dannoch weitgrösser / dann dieselbe / zu seyn scheinen.Es ist aber aus dem Hevelio anzumercken / daß der Cometen Grösse zweyerley seye; einevermeintliche oder scheinbare / und eine wahrhafftige. Die vermeintliche Grösse ist diejenigeda nach dem Augen=Maaß, und mit Instrumenten; oder auch durch Schuhe Ehlen und Ru-then von Unerfahrnen genommen wird / und die nach Unterschied der Zeit auch unterschiedli-zu seyn pfleget. Die wahrhafftige Grösse hergegen ist diejenige / so der Comet würcklich undwahrhafftig hat / und die man in denen Semidiametris, oder Halb=Durchschnitten der Erde,oder aber den Meilen nach berechnet. Entstehet demnach die vermeintliche oder scheinbareLänge der Cometen / aus derselben unterschiedlichen Stand / wie auch aus der Entfernung vonder Erde von der Sonne, und von dem Gesichts=Winckel und dergleichen: Die wahrhafftigeLänge aber deß Schweiffs rühret meistentheils von der Grösse und Weite der Cometischen At-mospheren her / also daß besagte Länge um so viel grösser ist / um wie viel weiter die Atmosphæ-ra sich erstreckt.§. 2. Die Cometen haben keine wahrhaffte / sondern nur eine scheinbare FarbeWelche nach der Materi unterschiedlicher Beschaffenheit auch mancherley und unterschiedlist; Dann ein weiser Comet entspringt aus einer dünnen Materi (wie an dem angezündtendünnen Flachs zu ersehen) und wird von dem Mercurio beherrscht; Dahero man einen solchenCometen Mercurialisch nennet. Der rothe und blutige Comet kommt von dicken Ausduͤn-stungen her (wie an dem Pech wahrzunehmen) und hat den Martem zum Herrn; Deßwegerer von denen Mathematicis ein Martialischer Comet benahmset wird. Ein licht=heller Comefolgt der Natur seines Herrschers / nemlich deß Jupiters; und wird der Ursachen halber Jovia-lisch geheissen / weilen Jupiter einen mittlern Glantz hat / der weder Feuerroth / noch auch weiist. Wann aber die Cometen aus einer sehr festen Materi bestehen, so gewinnen sie eine rotheFarbe / dergleichen das harte Holtz zu haben pflegt; hergegen so die Materi feucht und wässeriist, so gibt sie eine Himmel=blaue Farbe, wie an dem angezundten Brandtenwein ersichtlichSonsten nehmen auch die Unter=Mondische Cometen von den Mineralischen Ausdünstungezerschiedene Farben an sich: Dann der Gampfer verursachet eine weisse, das Griechische Pecheine rothe / der Schwefel eine blaue / das Salammoniacum eine grüne / das rothe Antimoniumeine roͤthlichte / das Helffenbein eine blasse Farbe. So ist gleichfalls gantz wahrscheinlich / daje roͤther / feuriger und heller die Cometen seyn / je niedriger sie auch gemeiniglich stehen müssen.Im übrigen haben die Sterngelehrte nicht weniger angemerckt, daß der Mond, wann eram Himmel scheine, eine grosse unterschiedliche Aenderung an denen Cometen zu machen pfiege: Dann zu solcher Zeit seynd ihre Cörper gemeiniglich dunckel und bleich; und haben einenkleinen Schweiff: Wann aber der Mond untergeht und sich verbirgt / so werden dieselbe als-balden heller / und erscheinen mit einem langen Schweiff.§. 3. Die Cometen haben einen zweyfachen Lauff: nemlich einen raͤglichen / Krafftdessen sie in 24. Stunden um den Erdboden herum wandern; welchen Lauff man auch den Ge-walthätigen / und von Auf=gegen Nidergang eilenden Uhr=Bewegungs=Lauff nennet / da dieCometen zugleich mit denen himmlischen Sphæren, und dem obersten Lufft=Strich in einemCrayß herum getrieben werden: Und dann einen Eigenen Lauff; Wann ein Comet in demgrösten Crayß um die Sonne herum, entweder von Westen gegen Osten, oder von Nordengegen Suden, oder von Suden gegen Norden lauffet. Seneca gedencket zweyer Cometen;deren der eine zu den Zeiten deß Claudii, und der andere unter der Regierung deß Neronis ge-schienen / welche beede ihren Lauff aus Norden gegen Suden genommen. Gemeiniglich abelauffen sie gegen Norden; Wie Aristoteles und die meiste der Stern=Gelehrten beobachtet hatben. Und solches berichtet Nicephorus von dem Cometen / der zur Zeit deß Kaysers Theodosiigesehen worden; Regiomontanus von dem in Anno 1475. Gemma Frisius von dem in Anno1552. Item andere von dem in Anno 1618. und fast alle einhellig von dem / so in Anno 1680. inunsern Landen von dem 29. November, biß auf den 5. Februarii 1681. geleuchtet; indeme er von