Philosophische und Politische Beschreibungbinfallen ein Theil aber an dem Rand der Kugel hafften bleiben. Welches dann dardurchsuͤrnemlich besteiffet wird / daß alle Cometen / die man von hundert Jahren her gesehen hat / ihrenSchweif allzeit gegen der Sonnen hin gewendet; so ein Zeichen ist / daß selbiger Schweiff auseiner dünneren Materi bestehe, die von den Sonnen-Strahlen, so durch das Haupt und Cör-per deß Cometen getrungen / und sich zuruck geschlagen / erleuchtet worden: Doch hat man biß-weilen auch angemercket / daß ein Comet seinen Schweiff gegen die überstehende Seite einesandern hell=leuchtenden Sterns/und absonderlich der Venus (weilen alsdann solcher Schwei-aus den Strahlen der Venus formirt gewesen) gekehret habe. Woraus also sich unschwererklären lasset,Erstlichen: Warum der Schweiff nicht so hell leuchte / als der Cörper deß CometenDie Ursach ist nemlichen diese / daß die himmtlische Ausdünstungen und dünne Theile / worander Schweiff bestehet / nicht so dunckel seynd / und einfolglichen nicht so viel Licht zuruck werffen /als wie der Cörper deß Cometen.Zweytens: Warum der Schweiff an seinem Ende breiter seye / dann an seinem Anfang /und demnach eine umgekehrte Pyramid oder Flamm=Saͤule vorstelle? Ursache: weilen die zuruckgebogne Strahlen / nachdem sie vorhero in einem Puncten zusammen lauffen / folgendszwerchshin übereinander gehen / und so fort sich auseinander theilen; hinter welchem ZwerchSchnitt hernach der Schweiff anfahet sich zu verbergen. Oder / wie es ein anderer vielleichtdeutlicher erkläret; weilen in dem vordern Theil deß Cometen die Strahlen sich zusammensammlen / hernach aber allgemach einander zerschneiden / und sich ausbreiten / nicht anders alset-wa bey neblichter Zeit die Sonne zwischen etlichen Wolcken ihre Strahlen hindurch schiessenlasset / also daß selbige zwar bey ihrem Ausgang zusammen gepreßt seyn / allgemach aber sich dar-aufhin auseinander begeben und zerstreuen.Drittens: Warum einige Cometen haaricht, andere aber bartich seyen? Weilen nem-lich unterweilen die Sonnen=Strahlen die dicke Materi der Cometen nicht durchdringen koͤnnen / sondern hin und wider zerstreut werden / mithin den Cometen gleichsam krönen / und harichtmachen. Indem aber ersagte Strahlen öffters nicht durchbrechen mögen; doch Anfangs eineMateri/ und nachgehends/ wann die Materi aufgelößt worden/ einen Weg finden; So geschie-het es dahero nicht selten / daß aus einem harrichten ein bartiger / und hergegen wiederum auseinem bartigen ein haarichter Comet zu werden pfleget: Worzu dann auch wohl / wie Tychobey dem Cometen in Anno 1584. angemercket, der weite oder nahe Abstand der Sonnen vielbeyzutragen vermag: Gestalten der Comet / welcher nahe bey der Sonnen stehet / haarichtStrahlen von sich wirfft; der aber / so von derselben entfernet ist / einen langen Schweiff ge-winnet.Vierdtens: Warum einige Cometen Anfangs keinen Schweiff haben / und erst selbigernachgehends überkommen; oder auch / wann sie einen gehabt / ihne verliehren? Dieses kommdahero / weilen die Sonnen-Strahlen Anfangs die dunckle Materi nicht gleich durchdringen,sondern erst nach und nach in dieselbe eingehen: Falls aber ersagte Materi sich dick zusammensetzet / so pflegen die Cometen / die vorhero einen Schweiff gehabt / selbigen zu verliehren / undgantz glatt und kahl zu werden.Allein / könnte man wider obiges einwenden / Erstlichen: Der Schwantz deß Cometenstehe manchmalen nicht gantz gerad gegen der Sonnen über / sondern weiche etlicher massen aufdie Seite ab (wie von dem Cometen in Anno 1558. Rothmannus; von dem in Anno 1577. Tcho; und von dem in Anno 1518. Snellius angemercket) so daß der Schweiff von denen Son-nen=Strahlen nicht erleuchtet werde. Hierauf ist die Antwort: Es komme solches von der zer-schiedenen Figur deß Cometen her / wodurch eine zerschiedene Refraction oder Zuruckstellungverursachet wird. Oder noch deutlicher: Es rühre daher; weilen die Strahlen wegen derTieffe / und zerschiedener Dunckelheit deß Cometen=Haupts sich abwenden / und nicht gegen dasjenige auslauffen / so gegen ihnen über stehet: Und dieses pflege gleich im Anfang sich zu bege-ben, da die Materi noch zimlich dunckel und in Unordnung seye: Wann aber erdeute starckeDunckelheit abnehme / so gewinnen die Strahlen einen Ausgang/ und pflegen alsdann auf dasgegen uͤber stehende ihren Schein zu werffen.Zweytens möchte man einstreuen (wie es dann auch ein gemeiner Einwurff ist) ob schondie Strahlen durch die Zuruckschlagung gebogen werden / und einen Winckel machen / so seydoch bekannt / daß sie nichts destoweniger in einer geraden / und nicht in einer gebogenen Liniefortlauffen; hergegen wisse männiglich / daß offt Cometen mit einem krummen und gebognetSchweiff erschienen. Ich antworte: Daß dieses, wie oben schon gemeldt, aus der SinnenTäuschung und Verblendung entstehe: Dann es ist nichts neues / daß eine gerade Linie einem /der sie von ferne betrachtet / krumm zu seyn beduncke; allermassen solches auch denen Schiffah-renden zu begegnen pfleget / denen ein gerades Ufer oder Strand manchmahlen dem Augen
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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