Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Zuweilen kan man wohl viereckte Balcken sehen;Auch eine Saͤul offt / die sich in die Rundung schwingtBald zeigen Fässer sich mit weiten Flammen-Bäuchen;Bald sammlet sich ein Hauff von Feuer-Kuglen an:Hier blinckt ein Funcken-Feld so einer Saat zu gleichen;Dort steht ein Baum an dem man Aeste zehlen kan.Also hat im Jahr Christi 1. ein Comet wie eine brennende Fackel und Anno 68. einer in Ge-stalt eines feurigen Schwerdts geschienen und über der Stadt Jerusalem gestanden. HernachAnno 72. hat sich einer in Form eines Wurff=Pfeils sehen lassen: Anno 384. hatte einer die Fi-gur einer Säule: Anno 550. ward einer wahrgenommen / so einer Lantzen gleichte: Anno 1017.leuchtete einer 4. Monat lang / und hatte das Ansehen wie ein sehr grosser Balcke: Anno 1180.erschiene ein gar wunder- und sonderbarer Comet, welcher eine Schlange vorstellte, und baldfortkroche / bald sich in einem Crayß zusammen wickelte / bald auch mit grossem Schrecken derZuschauere nicht anders / als wann er Menschen=Bluts begierig wäre, und von oben herab dieunten stehende Leute verschlingen wolte / einen grausamen Rachen aufsperrte. Anno 1511. saheman einen Cometen in der Lombardy / in Gestalt eines feurigen Pfauens / von welchem nach-gehends / als er verschwunden / drey Schwefel=Steine herab gefallen / deren der eine 160. der an-dere 60. und der dritte 30. Pfund gewogen. Anno 1541. zeigte sich den 2. Augusti ein erschröck-licher Comet / der wie ein Drach tormirt war / und einen sehr langen feurigen Schwantz vonsich hinaus streckte. Welches man also Unterrichts halber bey Gelegenheit der unterschiedli-chen Figuren / die man an denen Cometen wahrgenommen / beyfügen wollenDoch ist benebenst zu mercken; daß die Zerschiedenheit der Cometen fürnemlich und all-einig von dem Stand deß Augs, so sich bey Nacht zwischen der Sonnen und dem Cometenbefindet / herrühre; Gestalten dergleichen Cörper von ferne bald so / bald anders uns ins Gesich-te fallen. Dannenhero Seneca, wann er von denen Cometen redet, sich gantz wohl und recht Sen. I. 7.vernehmen lässet: Es ereigne sich ein Unterschied unter denselben / oder nicht / so müsse c.n.doch nothwendig dabey alles auf einerley Weise geschehen. Wiewohlen / wann dieSternkundige Erwehnung thun / daß ein oder anderer Comet in einer ausser=ordentlichen undungewohnten Figur erschienen, (unter deren Zahl die oben angeführte nicht zu rechnen seynd)man in allwege glauben kan / daß selbige ohne Zweiffel durch Göttliche Schickung / um dardurchdenen Menschen von zukünfftigen ungemeinen Glücks= oder Unglücks=Fällen Vorbericht zu ge-ben / also seyen gebildet worden.Nichts destoweniger aber möchte ein Zweiffel entstehen / und gefragt werden: wie dasHaupt der Cometen eigentlich beschaffen seye? Antworts. 1. Das Haupt desz Cometen / so aus einer himmlischen wohl zusammengesetzter Materi bestehet / wird von nicht sonderlich dicken und duncklen himmlischen Aus-dünstungen oder Theilen umschlossen: Und ob selbiges schon dunckel ist / und das Licht zuruck wirfft / so ist es doch auch einiger massen durchscheinend / und laßt dem Licht einen Durch-gang; oder aber es bestehet aus einer dünnen löcherichten Materi / durch welche die Sonnen-Strahlen leichtlich hindurch dringen können: Und wird demnach von der Sonne nicht ange-zundt / sondern nur erleuchtet. Welches letztere / als worüber der meiste Streit vorfällt / wir dar-mit beweisen: Daß der Comet, wofern er sein Feuer wäre, einen so ordentlichen und beständi-gen Lauf durchaus nicht halten könnte / auch weder ein Haupt / noch lange Haar hätte; indemeer nur ungefehr durch den gewaltigen Trieb einer feurigen Bewegung fort gestossen / und kei-nes Wegs so lange Zeit dauren würde. So ist auch über diß bekannt / daß das Feuer in ge-rader Linie übersich steiget; deß Cometen Schwantz aber zuweilen untersich / oͤffters nach derSeiten / und allzeit gerad gegen der Sonne sich wendet. Woraus dann folget /§. 2. Daß deß Cometen Schwantz aus einer noch dünnern Materi / als dasHaupt bestehe; ungeachtet es doch mit beeden Materien einerley Beschaffenheit hat. Eswird aber besagte Materi nicht von innen her angezündt und scheinbar: sondern sie ist dunckel,und empfangt ihren Schein und Licht von denen durch deß Cometen Haupt durchgehendenSonnen-Strahlen. Ursach: Weilen, gleichwie die Sonne durch ein jedes Loch, oder durchein rundes Stücklein Glaß mittelst einer strahlenden Linie ein Gemach erleuchtet; oder sonstenein Licht=heller Sonnen=Streich durch unterschiedliche Wolcken über=oder untersich fortreichet;eben also deß Cometen Coͤrper auch durchscheinend seyn koͤnne, und deßwegen die Sonnen-Strahlen durch denselben hindurch geführt werden: Gestalten man ebenfalls an einer gläserndichten oder mit Wasser gefüllten, und das Licht durch ein enges Loch in ein finsteres Gemachwerffende Kugel wahrzunehmen hat / daß ein Theil der Sonnen=Strahlen auf die weisse Wandhinfal-M 2