Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
84
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Philosophische und Politische BeschreibungUnd nachdem bekannt / daß zerschiedene Meteoren die Gestalt eines fliegenden Drachen / einerhupffenden Geiß und sofort vorstellen / so waltet kein Zweiffel / daß sie nicht auch die Figur einesCometen solten nachahmen können. Zweytens: Weilen man zu Zeiten einige Cometen gese-hen / die fast unbeweglich stehen geblieben; Gleichwie derjenige Schwerdt=Stern gewesen / vonwelchem Josephus berichtet / daß er lang über der Stadt Jerusalem vor ihrer Verstöhrung ge-schienen habe. So erzehlet auch Sozomenus, daß zu Constantinopel ein Coniet biß auf diePlin. I. 2. Erde herunter gehangen. Plinius meldet / es habe Licinius Syllanus einen Feuer=Funcken vomHimmel fallen sehen / welcher allgemach so groß / wie der Mond; und zu einem Fackel=Sternoder Cometen worden seye. Ingleichem bezeuget Bodinus, daß Anno 1470. man den 15. Jen-ner einen Cometen wahrgenommen / der in Gestalt einer Wolcke mit sehr langen Haaren dengantzen Thier-Crayß durchgewandert habe.Aus bißher angeführtem nun ist zu schliessen / Erstlichen: Daß der obige §. 3. in allwegenur auf alle ordentliche, gemeine, und eigentliche sogenannte Cometen, die nemlich inner-Stunden zugleich mit dem Gestirn um die Erde ihren Umlauff vollführen / zu ziehen seynmüssenZweytens: Daß, ob schon der wahren Cometen Art in dem Himmel selbsten seye, siedannoch nicht alle an einer und eben derselbe Staͤtte oder Theil deß Himmels sich befinden:de Chal. Dann es versichert de Chales, daß viel Cometen nahe bey der Sonnen ihren Anfang nehmen,l. 8. pro. und ehe sie sich sehen lassen / unter ihren Strahlen verborgen bleiben; viele auch sich gar nichtvon der Sonnen entfernen / und demnach nur alsdann selbige verfinstert worden / sich manch3. Phys.mahl gezeiget; da sie vorhero von ihren Strahlen bedeckt gewesen. Es stellet aber Alumazarden Cometen in Anno 844. zwischen Mercurium und Venerem; Tycho den in Anno 1577zwischen den Mars und die Venus; ingleichem den in Anno 1584. samt dem Mœstlino zwischenden Mars und den Jupiter; und Cysatus sezet den Cometen in Anno 1618. zwischen den Marsund die Venus: Der grosse Comet / so Anno 1680. und 1681. geleuchtet / stunde / wie die Stern=Ge-lehrte insgemein angemercket / ausserhalb dem Thier=Crayß; und ist nachgehends zwischen demTriangel und dem Haupt Medusae verschwunden.Politische Schluß=Rede.Man solle vorhero drohen oder warnen / ehe man die Straffeergehen laſſet.ES ist nichts gütigers als der Himmel; er liebet indem er straffen will; seine Drohungist eine Ermahn=und Erinnerung. Gleichwie sonst die andere Sternen deß HimmelsAugen seynd; also seynd hergegen die Cometen seine Zungen. Sie schrecken / damit sieabschrecken. Der haarichte Vorbott weissaget dir von bevorstehendem Ungluck, damit er diegleichsam bey dem Haar ergreiffe / dich vorsichtig zu seyn erinnere / und dir allenthalben / so zu re-den / Augen einsetze. Mit dieser Zungen sagt er dir in das Ohr / du sollest dich wegen deß zu-künfftigen wohl in acht nehmen: Mit diesem Mercurio weckt er dich auf / damit du aller Ortenwachsam seyest: Mit dieser Ruthe zeigt er dir zwar die Straffe / begehrt sie aber nicht zu be-werckstelligen; sondern verlangt vielmehr daß du in dich selber gehest / und den Streich abwen-dest: Dann er suchet nicht deinen Untergang / sondern deme Wachtsamkeit: und so er dichwürcklichen straffen wolte / so würde er dir nicht mit der Ruthen drohen; noch einen Mercuri-um zu schicken / der dich ermuntern und aufwecken solte. Niemand / der die Straffe ergehen zulassen gewillet ist / wird zuvor sagen: Hüte dich. Es ist die Art und Gewohnheit eines drohenden und zugleich liebenden; nicht daß er straffe / sondern daß er schone. Die Parcen wissennichts vom verschonen; Fürsten aber stehet es zu / daß sie der Demüthigen und Flehendenverschonen / hergegen die Stoltze unterdrucken: angesehen auch der König unter den Thie-ren / der Löw / denen kleinen schmeichlenden Hündlein / und denen Schäflein kein Leid zuzufügenpfleget. Man ist schon genug gestrafft / wann man weißt / daß man kan gestrafft wer-den. Du kanst zwar wohl mit der Ruthen drohen / die Pfeile schärffen / die Waffen der Ge-rechtigkeit ergreiffen; du solt aber nicht allzeit das Schwerdt ausziehen / sondern zuweilen denArm deß Rechts zuruck ziehen und innen halten.Claud. deIraque nunquamIstrice.Prodiga telorum eſt; cautè contenta minari.Es schlägt der Zorn nicht gleich mit Schwerdt und Spiessen dreinGenug! wann er nur droht / daß er woll schädlich seyn.Odoar-