der in der obern Lufft erzeugten Dinge.wann der Comet seine Strahlen in einem Circul rings um sich herum ausstreuet / so heisset manihn einen Haar=Stern; hergegen so er sie nur an einer Seite und zwar weit vor sich hinaus stre-cket; so wird er ein Schwantz=Stern; falls er aber selbige nicht ferne / und nur ein wenig vonsich wirfft / ein Bart=Stern genennet. Sonsten machen einige neunerley Sorten oder Gat-tungen der Cometen; Albertus Magnus will derselben funffe; und Plinius ihrer zehen herrech= Albert ./.nen; welche jedoch alle gantz wohl unter die obige drey Arten können gezogen werden.1. tr. 3.Dieses nun also vorausgesetzt / so erforderte zwar die Ordnung / daß wir vor allen Dingen c. 10.der Cometen sowol Materialische / als würckende Ursache untersuchen solten: Dieweilen aber Plin. 1.22solches fürnemlich dahin gehöret, wo man von dem Ort, da die Cometen, (ob es in dem Him- c.mel selbsten / oder in der obern Lufft=Gegend geschehe?) erzeugt werden / zu handlen hat; als hates mich für nöthig angesehen / zu erst von ihrem Geburts=Ort zu reden: dann wann dieses erör-tert / so wird es sodann unschwer fallen / in der folgenden Frage zu erklären / aus was für einerMateri dergleichen grosse Cörper bestehen / und was ihre würckende Ursache seye? Sol-chemnach§. 3. Ist das Firmament oder die Feste deß Himmels der Ort / allwo die eigent-lich also genannte Cometen hervor kommen; so daß einfolglichen alle rechte und wahrhaff-tige Cometen oberhalb deß Monds sich befinden: Und dieser Meynung pflichten alle neueSterngelehrte bey, welche ihre Beweiß-Gründe fürnemlich hernehmen, Erstlichen: von de-nen Paralaxibus oder Schein=Unterscheidungen / die bey denen Cometen sich kleiner / dann beydem Mond ereignen, welches das gewisseste und ohnfehlbarste Anzeigen ist, daß die Cometenweiter als der Mond/ von der Erden entfernet seyn: dann je höher die Cörper stehen, je kleinerist ihre Paralaxis. Dahero man die eigentlich also genannte Cometen wie in Ost-Indien / alsoebenfalls in Europa auf einerley Weiß beobachtet und gefunden: So aber nicht geschehen waͤ-re wann sie sich nicht im Himmel sondern in der Lufft erzeigt hätten; allermassen wann sie inder Lufft gestanden wären / man sie nicht von zweyen so weit unterschiedenen Welt=Theilen aufeinerley Weiß hätte observiren können. Zweytens: von ihrem so eigenen / als täglichem Lauff /den sie auf das ordentlichste und richtigste zu halten pflegen; indeme die Cometen manchmalen,eben wie das Gestirn / einen gantz regularen; ja zuweilen einen so genauen richtigen Gang haben /daß sie selbigen zwischen zweyen Wend=Circuln (Tropicis) fortsetzen und vollenden. Weßwe-gen die Cometen, ohngeachtet einige andere Meteora gantz unordentlich und unrichtig sich be-wegen / dannoch also lauffen / daß sie niemalen von dem grossen Circul / der den Himmel in zweygleiche Theile theilet / abtretten: Dardurch dann einfolglich angezeigt wird / daß sie in dem Him-mel seyn müssen. Drittens: von ihrem Auf= und Niedergang: Gestalten sie / wann sie nur inder Lufft stünden / gar eine kurtze Zeit zu sehen seyn würden; weilen sie sodann einen sehr kleinenWeg zu machen / und wegen ihr Nähe geschwind fortzulauffen das Ansehen hätten; da sie dochvielmehr Gegentheils wie die Fix=Sterne / langsam fortzugehen scheinen.Es kan aber allen diesen trifftigen und starcken Beweiß=Grunden annoch der Beyfall unddas Ansehen der fürtrefflichsten und berühmtesten Stern=Gelehrten / die durch ihre genaue undfleissige Erkundigung der Sache allen Zweifel benehmen / zugesetzet werden: Dann dergleichenhaben Cornelius Gemma, Tycho Brahe, Mœstlinus von dem Cometen / der Anno 1577. erschie-nen; Tycho & Rothmannus von dem / so Anno 1584. gesehen worden / Keplerus, Cysatus, Pu-teanus &c. von dem / welcher Anno 1618. geleuchtet / und endlichen von dem / der Anno 1681.aufgegangen / einhellig alle und jede / die denselben mit Philolphischen Augen betrachtet / ihremVorgeben nach angemercket. Dannenhero auch nicht glaublich fället / daß so viel / so Gelehrte /und auf die Erforschung dieser Sache sich einig und allein legende Männer geirret haben, undetwa denen vorzuziehen seyn solten; die da die gantze Nacht in ihrer sanfften Ruhe und Schlaffligen / und wann sie vielleicht den Aristotelem einmahl durchgeblättert / nur darum / weilen selbi-ger solchem widerspricht / es für Irrthum halten und ausschreyen. Allein / wo die Wahrheitklar und offenbahr am Tage liget, und das Widerspiel zeiget, da hat man sich keines Weges andas Ansehen oder Meynung besagten Philosophi zukehren; welcher jedoch dißfalls auch garwohl kan entschuldigt werden / weilen man zu seiner Zeit noch nicht so viel neue Sterne entdeckt,oder die Paralaxes untersucht gehabt; wiewohlen Lycetus sich weitlaͤuffig bemühet / zu behaup= Lycet. l.1.ten / daß Aristoteles ebenmässig unserer Meynung gewesen seye.de nov.§. 4. Gleichwolen aber ist nicht zu laͤugnen, daß etliche denen Cometen gleichende, astr. c.41.und also nicht eigentlich so genannte Cometen in der Lufft erscheinen können. Ursa-che Erstlichen: Weilen keine Hindernus vorhanden / daß eine so starcke irrdische Ausdünstungnicht solte in die Höhe steigen / allda sich entzünden / leuchten / und herum lauffen mögen; zumah-len da zur Zeit eines scheinenden Cometen absonderlich grosse Winde / und Dürre entstehen;nicht weniger zuweilen ein merckliches Sterben dabey sich einfindet: Welches alles lauterMerck=Zeichen seynd / daß eine ungemeine Menge von Ausdünstungen obhanden seyn müsse.
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
83
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