Philosophische und Politische BeschreibungGrex totus in agrisUnius scabie cadit.Ein einig raͤudig Schaaf / wird es nicht weggethanSteckt eine gantze Heerd mit seiner Seuche an.Wann es bey dem Nachbar Ucalegon brennet, so erschrecken nicht unbillich die andere ob derGefahr / und lauffen nach dem Wasser: dann die Flamme eilet fort / und verwüstet alles / was inder Nähe stehet; dahero sie auch mit frühzeitiger Fürsicht solle gedämpfft werden. Ein einigervom Himmel abschiessender Feuer=Strahl tobet mit einer verborgnen Krafft und Verderbnusdergestalten / daß er alleinig genugsam ist / ein Hauß nach dem andern / ja eine gantze Stadt inBrand und Aschen zu verkehren. Ein einiger böser Stadthalter oder nichtswerther Reichs-Rath kan das gemeine Wesen völlig zu Grunde richten: Welches auch Plautus bekräfftigetPlaut. in wann er versichert; „Es seye überfluͤssig bekannt / daß die Gesellschafft eines einigen bösen Men-Mer.act. „schen offt der gantzen Versammlung grossen Saden gebracht / und bringen könne; also daß es4. Sc.4. „freylich etwas Ubels um ein benachbartes Übel seye. Eine einige verstimmte Seite verderbdie Harmonien: Ein einiger Stein verursachet so viel aufsteigende Wellen um sich herum, daßdardurch der Spiegel deß reinen hellen Wassers verdunckelt wird: ein einiges Wölcklein bringtden Himmel dermassen in den Harnisch, daß der gantze gestirnete Rath einen innerlichen Auf-stand erreget: Ein einiger Bößwicht kan einen Staat in den äussersten Ruin stürtzen. Manhöre den Hesiodum:Unius ob crimen pœnas urbs tota rependit,Siquis sacrilegè sese gerat, atque injustè:Jupiter hinc coelo claves demittit ab alto,Pestem sive famen.Was einer nur verwürckt / wann mit vermessnen FüssenEr boͤse Wege geht / und lauter Unrecht hegt;Daß muß die gantze Stadt offtmals unschuldig büssen:Indem der Himmel Pest und Seuchen auf sie legt;Auch schwartzen Hunger schicketUnd sie mit Mangel drücket.Es mangelt aber auch anderen Theil nicht an Exemplen tapffere Leute; da durch die Tugendund heilsamen Rath eines einigen Mannes das gemeine Wesen erhalten und fest gestellet wor-den. Man vernehme / was geschehen! Der einige Epaminondas hat denen Thebanern die Ober-Herrschafft zuwegen gebracht; so daß Agesilaus ungeachtet er sein Feind gewesen / als er ihngesehen / ausgeruffen: O ein vortreflicher Mann! Der einge Scipio hat dem langen Krieg /Plut. inden die Römer und Carthaginenser wegen der Oberherrschafft miteinander erführt, ein Endegemacht; und selbige denen Römern erfochten; wie dann Cato diesem Helden das Lob gege-apophi.andere nur wie ein Schatten gegen ihme zu rechnenben: daß er allein klugseyen. Und Numantinus, als er gesagt worden; warum die Römer unter deß ScipionisAnführung diejenige in die Flucht sagend / vor denen sie vorhero geslohen / hat ersagtem grossenCapitain in seiner Antwort diß rühmliche Gezeugnus abgestattet: Weilen es / sagte er / zwardie alte Schaafe seynd / die aber einen andern Hirten haben. Hier solle nun Ertz=Hertzog Al-bertus von Oesterreich auch nicht mit Stillschweigen uͤbergangen werden: Dann als selbigerin Niderland die Regierung verwaltete / hat sich der sonst hartnäckige Feind bald in Friedens-Handlungen eingelassen; mithin auch die Christliche Religion und die Ehre deß GöttlichenNahmens in nicht geringen Flor und Aufnahm gebracht / und zugleich die verderbte Hof-Sit-ten verbessert worden. Also kan ein einiger Mann offt ihrer vielen zur Genüge nutzlich seyn;und auf einem einigen Haupt beruhet manchmal die Wohlfahrt eines gantzen Königreichs.Sufficit unum.Er kan allein /Genugsam seyn.Vertitur
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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