Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
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Philosophische und Politische BeschreibungSommer=Sterne die hefftigste / dergestalten daß / da etliche im ersten / andere im andern 2c. Gradsich befinden / die Strahl=Sterne den zwey und dreyssigsten Grad inne hätten: Zum dritten; inin denen Strahl=Sternen seye der Schwefel im höchsten Grad / der Salpeter in der höchstenFettigkeit / und der Mercurius in der höchsten Widrigkeit: und aus diesen dreyen entstünden sei-nem Schluß nach der Donner, der Strahl, und das Ungewitter. Allein aus vor=angeführ-tem zeigt sich offenbahrilch / daß zu Widerlegung dieser Meynungen man nichts anders nöthighabe / als selbige bloß zu erzehlen. Der andere hergegen / nemlich Plinius, dichtete: Der Strahlseye ein Feuer, daß von denen drey höchsten Planeten, dem Saturno, Jupiter und Marte ab-falle; und von denenselben / wie eine Kohle von dem brennenden Feuer / ausgeworffen werde:doch führe der Jupiter / so zwischen dem Saturno und Marte in der Mitte stehe / fürnemlichvor den andern den Nahmen eines Strahl=Schiessers: Woraus er dann diese Folgerungmachte, daß die Sternen ein Leben hätten und durch die Dämpffe ernähret und gespeiset wür-den. Daß aber dies ebenfalls wie deß Paracelsi Vorgeben, eine Erdichtung seye, fällt einemjeden gleich bey dem ersten Anblick in die Augen. Und dann der dritte nemlich Bodinus, hie-te darfür: Der Strahl seye ein Werck der in der Lufft wohnenden bösen Geister; weilen mannicht eigentlich darthun könne / wie und auf was Weiß die Ausdünstungen inner den Wolckensich entzündten / und hernach einen so grossen Knall verursachten? angesehen die Wolcken wei-che / feuchte / und leichtlich nachgebende oder weichende Cörper seyen. Daß nun diese Meynungnicht weniger auf irrigem Grund beruhe / erhellet aus oben schon besagtem / und wird aus deme /was noch weiters darvon soll gehandelt werden, noch mehr und klärer erscheinen. Dann wanndie böse Geister die Strahlen verursachen, warum thun sie solches nicht auch bey uns im Win-ter / und in denen hitzigen Ländern im Sommer? und warum nicht auch / als nur gar selten (sodaß man es für ein Wunder ausschreyt) bey hellem und heiterem Wetter? Wiewohlen ich nichtabredig seyn will / daß zuweilen diese Geister sowohl selbsten / als auch durch die Zauberer undHexenmeister Ungewitter und Strahlen machen und erwecken / daß sie aber solches immerdarwürcken solten / diß wird von mir billich widersprochen.§. 2. Die Strahlen sind dreyerley; und werden zufälliger Weiß unterschieden, und ge-theilt in durchdringende / in zerstreuende und in anzündende Strahlen. Der durch-dringende Strahl ist sehr subtil und flammig/ welcher wegen seiner subtilen/ puren und reinenFlamme nichts zu enge ist / da er nicht solte durchkommen können: so daß / wann er auf ein Holtzfällt / dasselbe nicht verbrennet / sondern durch desselben Poros oder Lufft=Löcher durchgehet. Derzerstreuende Strahl zerstöhret und zerbricht ohne Verbrennung alle harte im Weg-stehendeCörper / die er antrifft; und ist wohl zusammen geballt und klebicht. Der anzündende Strahlaber brennet die Cörper, die er berührt, und ist mehr eine feurige, als flammige Ausdünstung:Dieser Strahl nun brennet auf dreyerley Weiß; dann entweder berührt er nur oben hin, undthut schlechten Schaden oder er brennet oder er zündet an: Gestalten etwas kan gebrennt wer-den; und doch nicht brennen; oder verbrennt, und doch nicht angezündt seyn: wiewohlen nichtsbrennen kan / so nicht gebrennt wird; ungeachtet etwas nicht angezundt / und nicht auch verbrenntseyn kan. Plinius machet zwar drey andere Arten von Strahlen / die aber in der That selbstennicht, sondern nur dem Nahmen und der Benennung nach von den obigen unterschieden seynd:nemlich einen trucknen / feuchten und hellen Strahl. Der truckne zerstöret durch seine Sub-tilität alles harte; so daß Steine und Marmor, die dieser Strahl berühret zu Staub und Mehlgemacht werden. Der feuchte hergegen schwärtzet nur / und thut keinen Schaden. Der hel-le aber durchdringet alles / gehet in alle Lufft=Loͤcher und Adern ein / und brennet entsetzlich; dochthut er dabey auch zarten und dünnen Dingen keinen Schaden / weil er sich nicht anhaͤngt: in-massen er viel zu geschwind hindurch fährt / als daß er selbige solte verbrennen können / und richtsich also nur an harte und dichte Cörper, die ihme den Paß verwehren wollen; Dannenherowird durch diesen Strahl das Getraͤnck in denen Faͤssern verzehrt / und doch die Taufflen daranPlin. I. 2. unverletzt gelassen. Gedachter Plinius machet auch einen andern Unterscheid unter denen Strah-Hist. nat. len / und nennet einige vergebliche und dünne Strahlen / die der Natur nicht gemäß seyen; undnur in die Berge / und in das Meer schlagen / einfolglich lauter vergebliche Streiche üben; Etli-che aber heisset er weissagende / die aus der Höhe / und aus ihren Gestirnen und um gewisserUrsachen willen herkommen. Allein dieses ist ein vergeblich und dummer Unterscheid / der ausder alten Heyden Aberglauben seinen Ursprung genommen: Dann alle Strahlen haben ihrenatürliche Ursachen; und ist keiner darvon mit einer weissagenden Krafft begabet, daß sie etwasanzeigen könnten / so nothwendig und unvermeidlich geschehen müste.Jedoch wird denen obigen Strahlen annoch der stumme Strahl nicht unbillich beyge-zehlet / welcher ohne Donner gantz still von dem Himmel abfällt / und dahero auch destowenigetStärcke und Gewalt hat: eben wie das Schieß-Pulver, dem um so viel mehr von seiner Krafftentgehet / um wie viel weniger es knallet. Einen solchen stummen Strahl hat Floravantius also