Philosophische und Politische Beschreibungaber kaum zwey oder drey Schritt weiter fortgethan / so waren sie alsbald wiederum zugegen /und stellten sich / wie vorhero / um ihne herum; dahero er sich abermahl mit grosser Forcht aufdie Erde niedergeleget, und so lang allda verharret, biß sie abermahl darvon gesprungen, undauch nicht mehr zuruck gekommen. Dergleichen ist ebenfalls andern reisenden Persohnenmanchmahlen da und dorten begegnet; welche aus Forcht für diesen Irrwischen / da sie ver-meynten / gerad nach dem verlangten Ort fortzugehen / wiederum dahin zuruck geführt worden /von dannen sie ausgereiset.Zweytens: Warum diese Flammen bißweilen springen / hupffen / auch wie Cardanus an-mercket / zischen / und einen Thon wie eine Menschen=Stimme von sich geben? Antwort: DasHupffen rühret fürnemlich von denen abfallenden Tropffen deß Morgenthaues her, wodurchzwar diese kleine Flammen niedergedrückt werden; die hernach aber ihre Kräfften erneuern,und zufolge der anerschaffnen Natur deß Feuers wieder in die Höhe sich heben; auch zugleichein Gezischen oder Thon / wie eine Stimme / wegen der auf sie abfliessenden Thau=Tropffen vonsich hören lassen: nicht anders als wie ein Feuer wann es mit ein wenig Wassers bespritzet wird,zischet; oder wie ein grünes Holtz / so man es zum Feuer legt / seine in sich habende Feuchtigkeitausstosset / und zugleich ein seuffzendes Gezisch und Murren verursachet. Dahero es ein puresMaͤhrlein ist / daß einige Aberglaubige leute sich bereden / als ob in denen Irrwischen die Seelender Verstorbenen eingesperret / und darinn gesegt / und gereinigt würden.Drittens: Woher es komme, daß die Leute von diesen Flammen in jehe gefährliche Ort,und in Flüsse geführt werden? Antwort: Wann sie die Menschen von jähen Orten abstürtzen,so pflegt es deßwegen zu geschehen / daß die Lufft / die wie ein Wirbel dorthin gezogen wird / auchdiese Flamme mit sich fortreisset / und also die / so ihnen folgen / lauter Sturtz und Unglück brin-get: Wann sie aber zu Flüssen und Wassern verleiten / so rührt es daher / daß die Ströhme mitihrem Lauff die Lufft; und demnach die Irrwische, die in der Lufft schweben, auch nach sich zie-hen. Jedoch kan es sich gar wohl begeben, daß der unserer Wohlfahrt immerdar nachstellen-de Satan und Geist der Finsternus sich in dergleichen Irrwische verberge / und selbige dahinmißbrauche, daß er denen bey naͤchtlicher Weil reisenden Personen hinterlistig beykommen moͤ-ge. Wer demnach klug ist/ der lasse sich von keinem Irrwische verführen.Vierdtens: Ob diese Flammen auch etwas bedeuten? Antwort: Wann sie über Ge-wohnheit in grosser Menge erscheinen; so stecken sie die Lufft an; dann / wie gemeldet / sie entste-hen aus einer schweflichten / irrdischen und gebrandten Materi / wormit sie die Lufft vergifften /und eine allgemeine Seuche verursachen mögen: So kan auch die Göttliche Rache solcher Lufft-Feuer sich zu Vor=Botten bevorstehenden Unglücks bedienen. Es berichtet Schottus, als An-Schott.Phys. cur. no 1631. P. Athanasius Kircherus, auf der Hohen=Schul zu Würzburg offentlich die Mathema-tic gelehret / seye er einsmahls zu Nacht / eben in der Zeit / da der Schwedische König / Gustavl.2.c.6Adolph, den General Tilli und die Kayserliche bey Leipzig geschlagen, erwacht, darauf aufge-standen / und habe durch das Fenster in den Hof und Garten deß Collegii gesehen: Da er dannwahrgenommen / daß der gantze Hof mit einer hellen Flammen beleuchtet gewesen / und in selbi-ger eine Trouppe Soldaten miteinander gefochten. Wie ihn nun diß Gesicht nicht wenig er-schröckt / und er in solcher Erstaunung nach deß P. Rectors Schlaff=Kammer geloffen / damit erihn aufwecken / und ihm auch das Wunder-Gesicht zeigen möchte; so habe er doch, aus Bey-sorge, daß es ehe er dahin komme, verschwinden dörffte, wieder nach seiner Kammer umgekehrt,zu sehen / ob dasselbe noch vorhanden: Und als er es noch / wie vor / angetroffen / auch dahero a-bermahl nach deß Rectors Gemach geloffen / doch um voriger Urfachen willen wiederum zuruckgegangen; so habe er es zwar das drittemahl zwar noch gesehen; es seye aber darauf alsbaldenverschwunden. Den folgenden Tag früh Morgens habe er die Sache erzehlt, und dabey ver-sichert, daß der Schwed im Anzug begriffen, und dem Collegio ein grosses Unglück bevorsteheWie dann der Ausgang hernach solches alles wahr gemacht. Nichts destoweniger wirddiese Flamme zu Zeiten auch für ein glückliches Zeichen gehalten: Allermassen gedachter Schok-tus weiters erzehlet: daß in einer gewissen Stadt in Sicilien zu gewissen Zeiten nach vorgängi-Schott.gem etlichstündigem grossem / hitzigen und stetigem Wind auf dem Kirchhof deß der H. Jung-Phys. cur.rauen und Martyrin Agrippinæ gewidmeten Tempels an den Mauren der Kirche und deßl. II. c. 10.Thurns zu grosser Freude und Frolocken deß Volcks ein Feuer sich anhänge / so sie das Feuerder Heil. Agrippinæ nennen; und daß dahero an gedachtem Ort zur Freudens=Bezeugung al-le Glocken / so lang das Feuer daure / pflegen angezogen und geläutet zu werden.Fuͤnfftens: Um und zu welcher Zeit die Irrwische; auch wie lang sie sich sehen lassen? Ant-wort auf das erste: Meistentheils in dem Sommer: indem alsdann wegen der grössern Son-nen=Hitze die Dünste auch haͤuffiger aus der Erde und aus den Sumpffen hervor gehen. Wiewohlen deren nicht weniger in dem Herbst absonderlich an warmen Orten erscheinen; wannnemlich die Sonnen=Hitze nur kräfftig ist / die zähe Ausdünstungen heraus zu ziehen / aber nicht
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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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