Philosophische und Politische BeschreibungPfeile seyen nur fliegende Drachen; die da durch die Lufft fahren / ein Getoͤß machen / und Flam-men von sich werffen; aber anbey nicht den geringsten Schaden zufügen. Sie seynd nur blos-se Nahmen / und leere Schatten; haben auch weder Eingeweid noch Gifft/ womit sie denen Leu-ten schädlich seyn könnten. Verachte demnach allen falschen Schein / und bekümmere dich nichtum das / was andere sagen; sondern vielmehr darum / daß du alles wohl und recht verrichtest.Hast du wohl einen Herculem im Hertzen / wann du dich von einem Schatten erschrecken las-sest? da doch jener wahrhaffte Hercules der ungeheuren Schlangen tapffer den Halß gebro-Val. Max chen / und die Zunge ausgerissen. Fabius, das Muster kluger Fürsten / wolte lieber an seinem ha-l. 5. 6. 3. benden Commando und Gewalt Abbruch leiden / als gerühmt werden / und doch nichts rühm-lichs verricht; und Kayser Severus, der sonsten mit unermüdetem Fleiß das Regiment verwal-tete, bekümmerte sich wenig, nachzuforschen, was die Leute von ihme redeten. Doch ist auchnicht meine Meynung / daß du gaͤntzlichen allen Ruhm verachten / und nichts nach einem gutenDio Cass. Nahmen fragen sollest; sondern du sollt fürnemlich dahin trachten / daß die Würckung der Red-lichkeit mehr auf einem guten Gewissen, als einem grossen Ruhm bestehe; dann man soll nichtnach der Ehre streben, sondern selbige von sich selbsten kommen und folgen lassen. Dannen-hero hast du dem Absehen keines Weges auf die falsche Meynung deß Pövels / und seine Läster-Cic. l.1.Worte zu richten; inmassen selbige alle Augenblick sich verändern. „Dann eine wahrhaffte„und kluge Großmüthigkeit trachtet dahin / daß alles ehrliche Wesen / worzu die Natur am mei-„sten anleitet, im Werck und in der That vollbracht, und nicht dabey bloß auf einigen Ruhm„abgesehen werde; und will also lieber würcklichen hoch und groß seyn als nur darfür gehalten„werden. Du solt dich auf tapffere Thaten legen; und lieber wollen ein ehrlicher Mann seyn /„als nur darfür geachtet werden.Me non inficies.Dein Gifft mich kan,Nicht stecken an!Dispergunt strepitu rapti per inane DraconesScintillas rutili; vulnera nulla ferunt.Impia quid rabidi curas dicteria vulgi?Vana volant; famae nec dare damna queunt.Schreckt schon der Feuer-Drach mit ungemeinem KnallenWann durch die dünne Lufft er gleich den Pfeilen dringt;Laßt er in vollem Flug schon häuffig Flammen fallen /So ist es bloß ein Dunst der keinen Schaden bringtWill sich die Läster-Zung an deine Ehre legen;So lache nur: sie wird dich nicht verletzen mögen.Die VI. Frage.Von dem Irrwiſch.Er Irrwisch / oder das irrende Feuer / (also genannt / weilen es hin und widerunor-dentlich und irrig zu lauffen pflegt) ist eine klebichte / fette / aus wohl unterinan-der und zusammen haltenden Theilen bestehende / und entzündte Ausduͤistung.Dessen Ursache rührt dahero, daß eine dürre und mit keinem Oelichten Safft be-feuchtete Ausdünstung entweder nicht angezündet werden oder wann sie sich je entzündet, dochnicht so lang / wie die Irrwische dauren kan. Seine wesentliche Form bestehet in einen wahr-hafften / und nicht in einem eingebildeten Feuer; die zufällige aber / wodurch besagter Irwischvon anderen feurigen Eintruckungen unterschieden wird / in einem Hupffen und Springen / der-gleichen man etwa bey närrischen Menschen anzumercken pflegt: Jedoch ist er von dem Castorund Pollux alleinig darinnen unterschieden, daß er auf der Erden, diese zwey letztere aber aufder See sich sehen lassen. Es versichert zwar der Ochsfurtische Artzney=Doctor, Robertusfludel;
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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