der in der obern Lufft erzeugten Dinge.fragt worden / welches das schädlichste Thier seye? sehr wohl geantwortet: Unter denen Zah-men, der Schmeichler. Die Schmeichler führen den Schein eines Freunds; EinenSchmeichler aber zu einem Freund haben / fället schwer und gefährlich. Sie stellensich an / als ob sie ihres Fürsten Nutzen suchten; bringen ihme aber nichts als lauter Schaden.Wie leben diejenige Fürsten / welche mit vielen Schmeichlern umgeben sind? Wie die Schaafeunter den Wölffen: ist der Ausspruch deß Thebanischen Crates. Wie kan der Rath unddas Rath-Hauß bestehen, wo man Schmeichler in Rath und Gericht ziehet? dann sie pfle-gen das gemeine Wesen in das gröste Elend zu stürtzen; wie der beredteste unter den Grie-chen darvor gehalten. Dannenhero muß ein Politicus diesen mit Honig überzogenen Stri= Demosth.cken / wie sie Diogenes nennet; Diesen Feinden deß Vatterlands und der Tugend / wie sie Philip. 3.Plutarchus betittelt; diesen dem menschlichen Geschlecht schädlichen wilden Thieren / wiePlato redet; diesen / Kaben / so die Augen deß Gemüths verblenden / wie sie Epictetus be-schreibet zu begegnen wissen; und ihnen nicht trauen, ob sie schon wie Gold gläntzen; noch sielieben / wann sie ihme gleich / wie der Abend=Stern der Sonne / immerdar nachfolgen: dann einSchmeichler küsset unter dem Vorwand eines gestirnten Eyfers alle deine Tritt / er belecket dei-ne Hände; er redet / was du gern hörest; er wartet dir stetigs auf. Ist aber der Hund deßwe-gen der Katzen Freund, wann er um sie herum gehet, und sie lecket? Der Schmeichler hat einenFeinds=Zahn / und eine freundliche Natur. Er gehet zwar embsig um dich herum; aber zuletztgibt er dir einen tödtlichen Truck. Er hasset dich / er bezaubert dir die Augen / und vergifftet dirOhren und Gemüth mit seinen Schmeichel=Reden. Es ist wohl zu wissen / daß nicht ein jedesLicht ein Anzeigen einer guten Natur seye: dann es pfleget auch faules Holtz bey Nacht zu schei-nen / und setzet sich offt eine Flamme an ein Kleid; und geben doch bede nicht die geringste ange-nehme Wärme von sich: sie scheinen nur; brennen aber nicht. Ein solcher war der Terentia-nische Schmarotzer / Gratho, welcher also mit sich selbsten redete: Sagt jemand nein / so sage. Terent. inich auch nein; sagt er ia / so sag ich gleichfalls ja: und habe ich mir selbsten diß Gebott auferlegt /-daß ich alles recht heisse und gutspreche. Dieses Handwerck trägt jetziger Zeit den grösten-Gewinn.„ O entsetzliches Gifft deß gemeinen Wesens! O äusserster Untergang KöniglicherHöfe! Diese Schmeichler suchen nicht dich sondern das Deinige; sie loben dich und lieben sich:sie seynd scorpionen, die Honig im Mund, und einen Stachel im Schwantz führen: mit je-nem schmieren sie / mit diesem stechen sie. Diese Schmeichler seynd Ursach / das Philippus Ma-cedonien verlohren; das Ferdinandus, König in Gallicien / bey männiglich verhaßt worden; daßAlphonsus IX. König in Arragonien seine vormahlige herrliche Thaten nicht wenig verdunckelt.Wer sollte den Vitellium nicht verfluchen? der dem berühmten Unthier Caligula, also ge-schmeichelt: Nur ihr Götter allein könnt einander sehen. Wer solte sich nicht über denTribonianum erzürnen? welcher den sonsten gerechtesten Kayser Justinianum beredet: Er Hesselwerde nicht sterben / sondern mit Leib und Seel zugleich in Himmel fahren. Billich Miles dePhilos.verlacht man solche Dinge; weil es lauter Blendwerck und Gauckeleyen seynd.Lucent, non ardent.Sie leuchten klar /Ohn Brand=Gefahr.Igne cicendelae noctu radiante coruscant;Igne sed innocuo, quique calore caret.Quis mage mellitis te quam assentator adulat,Verbis? Diffidas: non nisi fella dabit.Das Würmlein / so bey Nacht man kan am Glantz erkennen /Wann wie ein kleiner Funck es in den Lüfften schwebt,Streut nichts dann blosen Schein / der keine Krafft zu brennen;Und dazu Hitz und Wärm durchaus kein Feuer lebt.Der Schmeichler redet dir zwar Worte zu gefallenDie überzuckert seynd; doch schaumt das Hertz von Gallen.Die
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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