der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Es bleibt die Flammen=Säul / wann sie sich hat entzündet /Und in die Lufft gesetzt / allda auch unverruckt;Sie weicht dem Feur-Heer nicht, so sich um selbe findet;Was ihr zu nahe kommt / wird von ihr unterdruckt.Stürmt gleich der Himmel offt mit Unglücks-Donner-Schlägen;Steh wie ein harter Felß / und laß dich nicht bewegen.Die III. Frage.Von dem Castor, Pollux und Helena; ingleichem vondem lauffenden / fliegenden und fallenden Stern.§. 1.Astor, Pollux, und Helena seynd Feuer=Zeichen / die nicht gar hoch / und daher in deruntersten Lufft-Gegend auf der See absonderlich wann sie ungestümm zu er-scheinen pflegen; und zwar / so sich zwey dergleichen Feuer sehen liessen / wurden selbigevon denen Alten nach ihrem Heydnischen Aberglauben Castor und Pollux genannt: dann eshielten die Schiffleute darvor, dieselbe würden als Götter ihnen in Stürmen und Meers-Ge-fahren zu Hülffe kommen; Gestalten sie es für ein glückliches Zeichen annahmen / wann sie zweyFlämmlein auf den Ruder-Baͤncken sitzend erblickten: Falls aber nur eine einige Flamme er-schiene / welche sie Helenam nennten / so muste ihnen solche ein Vorbott instehendem Ungluͤcksseyn: wie Plinius erzehlet. Diese zwey Flammen werden jetziger Zeit von denen Spaniern / Plin.l.2.Sicilianern und Frantzosen Sr. Elmi, oder wie andere vermeinen / S. Telmi; von denen Italiaͤ= c. 37.nern aber St. Peter und St. Nicolaus benamset. Allein / es ruhet die Sache auf keiner in derNatur gegründten Ursache; und ist dahero nichts anders, dann ein eitler Aberglaub. Jedochkan im ubrigen auch natürlicher Weiß und ohne Aberglauben darvon zu reden, wann derglei-chen zwey oder drey Flammen auf den Seegel-Stangen, Ruder-Bäncken oder anderen Thei-len deß Schiffs ruhig sitzen bleiben, eine glückliche Bedeutung auf ein stilles und gutes Wettergemacht werden. Hievon schreibet Seneca: Bey einem grossen Sturm erschienen gleich= „ Sen. l. 2.sam einige Sterne / die sich auf die Seegel setzen; und alsdann seynd die in Gefahr schwebende „c.l.Schiff=Leute der Meynung / sie seyen durch Hülffe deß Castors und Pollux aus ihrem Untergang-errettet; wiewohlen die Ursach / etwas gutes zu hoffen / eigentlich daher kommet / daß man siehet /-wie der Sturm sich nunmehro gestossen / und die Winde sich zu legen beginnen.„ Begibtsichs aber / daß die Flammen hin und wider geworffen und getrieben werden; so haben alsdanndie Schiffleute sich billich zu förchten; und eine ungestümme Bewegung der Lufft zu urtheilen.Sonsten werden erdeute Flammen von geistigen Dämpffen / die aus dem durch Sturm erreg-tem Meer aufsteigen / verursacht hernach / zusammen getrieben / und angezündet.§. 2. Der lauffende Stern ist eine sich nach der Länge an einander ziehende undentzündte Ausdünstung: dabey sich die Flamme nicht bewegt / sondern es hat mit derselbendie Beschaffenheit / wie mit einem angezündten Faden oder Licht; welches / wann es ausgeloͤscht /und hernach unter ein anderes brennendes Licht gehalten wird / sich wieder anzündet; doch so /daß die Flamme sich nicht herunter begibt, sondern der aufsteigende Rauch sich nach und nachentzündt: oder ein noch geschickteres Gleichnus zu geben / wann ein nach einer langen Reihe aufdem Boden hingestreutes Schieß-Pulver an dem einen Ende angezündet wird; so scheinet zwarob lieffe das Feuer vom Anfang der Länge nach / biß zu Ende fort; da es doch würcklichen undin Wahrheit keines Wegs von einem Ort zu dem andern laufft / sondern immer fort ein neuesFeuer erwecket wird. Wiewohlen auch zuweilen geschihet / daß sich eine dunstige Kugel ent-zündet, auch von einem Ort zu dem andern fortlauffet, und seiner Nahrung nachfolget: Wo-bey aber der gantze Weg seines Lauffs nicht anders feurig zu seyn scheinet; als wie ein glüenderBrand / so man geschwind herum drehet oder schwinget / einen feurigen Ring oder Circul ma-chet; indem das Aug eine so grosse Geschwindigkeit nicht unterscheiden kan / sondern das Feuer /wo es angefangen / und wo es hin gekommen / zugleich erblicket.§. 3. Der fallende Stern ist eine entzündte Ausdünstung / welche / indem sie in dieHöhe steiget / und durch die widerstehende kalte Lufft zuruck getrieben wird / sich anflam-met / und abwärts zuruck fället; so daß sie einen von oben herab geschossenen Pfeil / oder seurigeKugel, oder sonsten einen von dem Himmel abfallenden Stern dem Ansehen nach vorstellet:Falls
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Seite
33
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten