8 4
der Schatzkammer bildet 19 . Der König, dem das entblößteSchwert voraufgetragen wurde, begab sich nach dem Krö-nungsmahle in vollem Ornate, die Krone auf dem Haupte,begleitet von den Kurfürsten in ihrem Schmucke, die Insignienin den Händen, und von einem glänzenden Gefolge der Fürstlich-keiten, in seine Herberge. Der Mainzer brachte noch einmalsein Siegel und als Gabe ein wunderbares Roß. Der Königsandte mit huldvollen Worten das alles zurück. Der Mainzerbehielt die Siegel, der silberne Stab aber und das Roß fielendem Vizekanzler Dr. Nicolaus Ziegler zu. Nach 7 Uhr etwawar der König aufgebrochen, um 11 Uhr war die Feier imMünster zu Ende, um 4 Uhr das Krönungsmahl. Und schonkamen die Nürnberger und packten die Reichinsignien wie-der ein.
Am Abend fand in des Königs Herberge ein Bankett statt,an dem Margaretha von Österreich teilnahm und des KönigsStiefgroßmutter Germaine de Foix, die einst der GroßvaterKönig Ferdinand von Aragonien doch deshalb geheiratet hatte,um noch einen Sohn zu gewinnen, der den Enkel Karl wenig-stens in Neapel von der Thronfolge ausgeschlossen hätte, jetztwar sie die Gattin des Markgrafen Johann von Brandenburg.Die Fürstinnen waren mit ihren „sehr hübschen und wohlge-zierten Frauen und Jungfrauenzimmern" erschienen. Es gingbeim Bankette freier zu als bei dem hochfestlichen Mahle, derKurfürst von der Pfalz erlaubte es sich, dem überaus nüchter-nen Könige zuzutrinken, oder war das alter Brauch in Er-widerung des Zutrunkes, den der König jedem der Kurfür-sten „gar mit ehrsamer Reverenz" beim Krönungsmahle dar-gebracht hatte ? Jedenfalls erregte dieses Handeln des Kur-fürsten großes Aufsehen. Wenn man die Nachrichten ver-einigen darf, wurde auch getanzt, vielleicht aber erst am fol-genden Abend. Der 20 jährige, noch bartlose König hatte ruhigund ernst die Feier über sich ergehen lassen, so daß er die Ehr-furcht>aller gewann. Er gehörte nicht zu den Fürsten, die derPomp verdarb.
Bei den früheren Krönungen von regierenden Herrschernwar der Tag nach der Krönung ein nur ein wenig minder