Druckschrift 
Die Kaiser- und Königskrönungen zu Aachen 813 - 1531
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

83

die Regungen des Ehrgeizes und behütet alle Rechte. Auchdie entstehenden Streitigkeiten wurden mit Maß geführt undmeist mit Anstand. Es ist der Vorzug adliger Gesittung. Beidem Königsmahle waren die obersten Herrschaften an einerAussprache gehindert, sie waren für einander stumm und imFlüstertone unterhielten sich die an den unteren Sitzen underst recht die zahllosen Herren, die den Dienst ausübten. EinPrunkmahl war es ohne Reden, fast ohne laute Worte!

Der Trierer sprach das Dankgebet und das Mahl wardmit erneutem Ritterschlage an denen, die sich versäumthatten, beschlossen 16 .

Dieses Mal hören wir nichts davon, daß nach beendetemMahle das Tischgerät in Gefahr kam. 1442 hatten aber dieDiener des Erzbischofs von Köln die güldenen Tücher, diegoldenen (und silbernen?) Schüsseln und Becher, auch dieanderen goldenen Kleinode für sich als Recht verlangt, warenaber abgewiesen worden, doch waren nach dem LütticherBerichte die Stoffe dabei zerrissen worden 17 . Weiter hatteder Erbküchenmeister Philipp von Seideneck Anspruch aufdie Tischtücher, die Küchengeräte und Speisereste, auch aufdie Häute von den Tieren. Er wurde mit 200 fl. von Villingerabgefunden.

Nach altem Rechte hatte das Münsterstift einen gutenTag. Es hatte von dem neuen Kanonikus die Tücher, Kissenund Tapisserien zu beanspruchen, auf denen der König bei derKrönung und bei dem Einzüge gebetet und auf denen er inder Kirche und dann im Hochmünster gesessen hatte, auchden Leibrock, den er bei der Krönung getragen hatte. Erzahlte auch wie andere Prälaten beim Eintritte in das Stift56 Goldgulden und 3 Fuder besten Weines, von denen eins andas St. Adalbertstift fiel 18 . Allem Anschein nach ein sehr altesRecht. Aber damit war der Dank Karls nicht abgetan. Erschenkte dem Stifte eine kunstreiche, mit Perlen besetzteKapelle (einen Ornat für das Hochamt), die in der Zeit derfranzösischen Herrschaft unter Bischof Berdolet ausgebranntund deren Edelmetall eingeschmolzen wurde. Später (1526)stiftete er jene herrliche Monstranz, die noch heute eine Zierde