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Karls des Großen auf. Von allen diesen eigentlichen Insigniengab es wenigstens im Spätmittelalter Duplikate, und bei derKrönung in Aachen kamen nicht stets dieselben Stücke zurVerwendung. Die Geschichte der deutschen Kroninsignien istnoch viel verwickelter als man bisher annahm, und ich willhier nur zwei Thesen aussprechen, um sie ein anderes Malwenigstens wahrscheinlich zu machen.
i. Es gab Zeiten, in denen bei den Königs kr önungenin Aachen wie bei den Kaiserkrönungen in Rom die-selben Insignien verwendet wurden. Es hat nicht immereine römische Kaiserkrone neben einer deutschen Königskronegegeben. Man darf fast nie von einem deutschen Könige sagen,er empfing in Rom die Kaiserkrone; denn in Wahrheit hatte ersie mitgebracht und schon als König getragen.
2. Was man heute als den regelmäßig bei der Krönungzu Aachen benutzten Ornat, der jetzt in Wien ruht, an-sieht, hat eine Zeitlang der Konkurrenz des von KönigRichard dem Aachener Münster geschenkten Ornatesweichen müssen, der immer in Aachen verblieb und noch heutedort ruht. Der englische Prinz hat somit die staatsrechtlicheBedeutung Aachens auf die Spitze erhoben. Die Stadt war nichtnur der „Stuhl des Reiches", der wahre Ort der Krönungen,sondern auch der Aufbewahrungsort von Krönungsinsignien,die als die vollgültigen angesprochen wurden. Das war derGipfelpunkt der Bedeutung Aachens bei der Königskrönung.
Das Wandern der Krönungsinsignien haben wir für dieZeiten des vorwiegenden Erbrechtes und des klaren Wahl-rechtes noch etwas näher zu verfolgen 6 . In jenen Zeitenist der König ihr ständiger Besitzer, er nimmt sie mit oderdeponiert sie, wie und wo es ihm paßt, auf Reichsgut oder aufdem, was ihm als Erbgut überkommen ist. Er muß nur sorgen,daß sie bei seinem Tode in der Gewalt seiner Erben sind. Dergewählte König wird sie aus dem gleichen Grunde nicht aufReichsboden belassen, sondern er wird sie in das Hausgutziehen, wir werden sie selbst in Ungarn finden. Das führt zurReaktion im Sinne des Ständestaates. Der Kronschatz, „dasReich" wie man ihn nannte, wurde einer Reichsstadt anver-