Druckschrift 
Die Kaiser- und Königskrönungen zu Aachen 813 - 1531
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

gewordene Stück war nicht unersetzlich, wenn der König, wiees im Hochmittelalter üblich war, an hohen Festen oder beipolitischen Ereignissen in vollem königlichem Schmucke er-scheinen wollte. Er hatte andere Schwerter.

Ein benachbartes Volk hat alle Ehrfurcht auf ein einzigesInsigne konzentriert und das war verständig. Den Ungarn wardso die Krone des hl. Stephan die historisch und religiös ver-klärte Inkarnation der Staatsidee. Da liegt es nahe, daß siein ihrer Heiligkeit nur einmal den Träger berührt, am Tage derKrönung macht sie den König. Dann kann man die Kroneauf immer einem Schatze anvertrauen, dem sie nur am Krö-nungstage entnommen wird. Auch die französische Kroneruhte in einem Kronschatze, in dem Kloster von St. Denis,wie die englische lange Zeit in der Abtei von Westminster auf Tbewahrt wurde 5 .

Die zweite Möglichkeit war es,' daß der Herrscher, derja im Mittelalter sein Gewerbe im Umherziehen betreibenmußte, auf allen seinen Zügen den ganzen Schatz mitnahm,wie es mancher andere Fürst ja getan hat. Weit vorsichtigerwar es, nur einiges dem Reisegepäck zuzufügen, nur diejenigenInsignien, welche bei den festlichen Tagen den König von allenanderen unterscheiden sollten oder als Reliquien mit in denKampf genommen wurden. Der Herrscher, der so handelt,verliert im Unglück nicht alles und kann selbst im äußerstenFalle den Rest von Kroninsignien seinen Erben hinterlassen,die ihnen einige Aussicht geben, den Thron zu beerben. Aberfür die deutsche Entwicklung ist es charakteristisch, daß geradevon dem, was als die eigentlichen königlichen Insignien immermehr hervortrat, gleichzeitig mehrere Exemplare sich finden.Freilich von Reliquien gab und gibt es keine Doppel. Alles wasentweder von vornherein als Reliquie galt oder später so um-gedeutet wurde, war oder wurde unersetzlich. Das gehört dannauch eher in eine Kapelle als unter das Reisegepäck.

Nicht aber wurden zu Reliquien gerade die Stücke desKrönungsornates, die den König vom Fürsten unterscheiden:Krone, Szepter, Reichsapfel und Krönungsmantel; erst seitKarl IV. faßt man auch den Krönungsmantel als eine Reliquie

3