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Lange war die Vorlage verschollen, vor wenigen Jahren warenwir Bonner so glücklich, es für unsere Universitätsbibliothekund damit für die Rheinlande zu erwerben. Ein Wanderkönig-tum hatte wenigstens in Aachen eine freilich schwache Wurzelder Stetigkeit in den Marmorplatten des Thrones und in derErinnerung an Karl den Großen.
Das Aachener Fest von 936 war auch der Tag der deut-schen Herzöge. Wie sie dem Könige die obersten Hofdiensteleisteten, ihm Schüsseln trugen oder das Roß hielten und zu-gleich sie seine entscheidenden Wähler waren, die ihn ja ausihren eigenen Reihen erhoben, da entstand jenes zauberhafteBild, das unsere Herzen noch heute bewegt, das Bild der Ver-söhnung von Einheit und Vielheit, der freiwilligen Hingabe derTräger der neu entstandenen Stammesgewalten an den Ver-treter der Einheit und dessen Anerkenntnis des Rechtes derStämme und ihrer Führer. Das neue deutsche Reich hat inseinen Anfängen nie einen ähnlichen Tag erlebt, nie die Ver-einigung der sämtlichen deutschen Fürsten um den zum Kaisererhobenen König von Preußen. Und doch war das AachenerFest nur eine augenblickliche Versöhnung; denn Otto hat mitallen Stämmen und fast mit all den Herzögen, die ihm damalshuldigten, um den Einheitsstaat ringen müssen, bis er endlichdadurch die Herzogsmacht paralysierte, daß er sich und denStaat mehr und mehr auf die Reichsbischöfe stützte.
Otto war vom Vater zum Nachfolger designiert, vorbe-zeichnet worden, dieser hatte ihm auch sterbend die Reichs-insignien übergeben, aber Heinrichs Sohn sicherte den EnkelOtto II. nicht nur durch Designation, sondern ließ ihn zumKönige krönen, ja bei seinen Lebzeiten zum Kaiser erheben.Otto I. hatte ja auf seinem zweiten Zuge nach Italien dasKaisertum erneuert und dauernd an das deutsche, an das Ost-reich gebunden. Das Beispiel wirkte nach, alle Väter aus demHause der Sachsen, der Salier und Staufer, die einen Sohnhatten, N haben als Kaiser ihn zum Könige wählen lassen 8 .Es ist ein Irrtum, wenn man bis zu dem jähen Sturze derStaufer das deutsche Reich schlankweg als Wahlreich auffaßtund bezeichnet. Die Wahl an sich war notwendig, aber sie war,