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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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668 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

er in einem Schriftchen beantwortete, das er wahrscheinlich Dicta benannte.Er verbreitet sich in der Vorrede ausführlich über die widrigen Schicksaledie er vor seiner Ankunft nach England erleiden mußte, und geht dannauf die Beantwortung der Fragen ein. Diese sind anfänglich nur prosodi-scher Natur und decken sich öfters mit den Materien, die Micon in seinerSchrift De primis syllabis behandelt hatte. 1 ) Spätere Fragen beziehen sichauf die zu seiner Zeit geltende Aussprache von lateinischen Buchstaben undauf orthographische Dinge, wobei des angelsächsischen th besonders ge-dacht wird und das Griechische Berücksichtigung erfährt. Abbo geht dannwieder auf Prosodisches ein und kommt endlich auf kritische Fragen undDialektisches zu sprechen; er schließt in Anlehnung an die Dreiheit derGottheit mit einer mathematischen Belehrung und erwähnt dabei, daß erfrüher in seiner Arbeit über den Calculus des Victorius über Zahl, Maiund Gewicht geschrieben habe. Dem Schriftchen ist ein Gedicht angehängt,in dem sich Abbo über die Gegend ausläßt, in der Ramsey liegt. 2 ) SeineBelehrungen in der Schrift entnahm Abbo vor allem Donat und Priscian,er führt aber auch den Servius, Martianus und Phocas an; die zum Be-weisen angeführten Dichterstellen sind hauptsächlich aus Horaz genommen,daneben aus Terenz, Vergil und Lucan und den Satirikern sowie aus Pru-dentius. Nirgends zeigt sich besonders tiefes Eingehen oder etwa besondereGelehrsamkeit.

Zeugnisse. Die wichtigste Quelle für das Leben Abbos bildet die von Aimoin vonFleury geschriebene Vita Abbonis (Migue 139, 387414); sie ist an Herveus von St MartinzuTouis gerichtet und erzählt nach Autopsie und nach anderen Zeugen. Zur Abstammungund zu den Verwandten vgl. Vita Abbonis 1 col. 387389. Zur Tätigkeit in Fleury vgl.Delisle, Catal. des mscr. des fonds Libri et Barrois p. 30 ff. und Bibl. des ec. des chartes45,178; zur Anwesenheit von Sallusts Historien in Fleury vgl. E. Hauler, Wiener Studien 9, 25und 8, 315, 3 ) von Cicero de republica aber findet sich auch im Katalog von 1552 keineSpur, vgl. auch L. Ffavet, Lettres de Gerbert p. 78. Dieser Katalog von 1552 stellt dasVerzeichnis der Handschriften des Klosters dar, die seit dem 11. Jahrhundert keine irgend-wie bedeutende Vermehrung erhalten haben; gedruckt ist das wichtige Stück von L. Delisle,Notices et extraits 31, 1, 426439. Dieser Katalog zählt ziemlich viel philosophische Schriftenauf, die Philologie ist hingegen nicht eben sehr stark vertreten und zwar besonders diemittelalterliche, desgleichen Mathematik und Astronomie. Jedenfalls entspricht der Katalognicht den Erwartungen, 4 ) die man von der Bibliothek von Fleury hegen könnte, und erlehrt deutlich, daß das Interesse an der Vermehrung der Sammlung frühzeitig erlahmte;diese Beobachtung wird bestätigt durch die Zeitansätze der von L. Delisle, Not. et extr. 31,1, 360420 beschriebenen 32 Handschriften von Orleans, die fast sämtlich aus Fleurystammen. Ueber die Schule von Fleury vgl. Cuissard, Mömoires de la soc. arckeol.de l'Orleanais 14,551717 und L. Traube, Vorlesungen und Abhandlungen (hrsg. vonS. Brandt) 3, 11 ff. Zum Eintritt ins Kloster unter Wulfad vgl. Vita 1 f. Zur Lehrtätig-keit Vita 3 col. 390 B imbuendis praeficitur scholasticis, quos ille per aliquot annorumcurricula lectione simul et cantilena cum tanta erudivit cura. Wenn Pf ist er, Etudes surle regne de Robert le Pieux p. 10 bezweifelt, daß er die in seinen Quaestiones grammaticneangeführten klassischen Autoren gelesen habe, und meint, daß er alle diese Stellen ausPriscian genommen habe, so ist diese Ansicht entschieden unrichtig, denn in den Wortenlectione . .. erudivit liegt doch nicht nur das eigentliche Lesen, sondern vielmehr das Lesen

N. 22 (Delisle, Notices et extraits 31,1,427)verzeichnet sind.

*) Allerdings scheint der Katalog sehrsummarisch abgefaßt zu sein, vgl. Delislea. a. O. p. 358. Das üotationsedikt für dieBibliothek von Seiten des Abts Macarius ausParis. 7696 hrsg. von Delisle, Le cab. desmscr. 2, 365).

') Vgl. meine Ausgabe im Münchner Mu-seum 1,127,11 f. mit Abbo c. 16; 128. 12 ff.mit c.6; 132,20f. mit c. 4; 134,410 mitc. 6; 139,17 ff. mit c. 6.

2 ) Es wird im Amplon. Q 53 s. XIV GOI7Q-FPA4>YA genannt und hat dort einen andernSchluß als im Druck bei Migne 139,5340.

3 ) Im Jahr 1552 waren wohl nur nochacht Blätter davon übrig, die im Katalog unter