Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große.
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so hatte Bedas Historia ecclesiastica einen unschätzbaren Wert für diebritischen Inseln. Und diesen muß der König voll erkannt und geschätzthaben, denn er ging daran, das Werk in die Volkssprache zu übersetzen,um der englischen Geistlichkeit die Kenntnisnahme des Werkes zu erleichtern.Und zwar hat Alfred die Teile des Originals bevorzugt, die sich auf Süd-england beziehen; das andere ist meist ausgelassen wie auch fast alle ein-gelegten Urkunden und Briefe und Gedichte. Hingegen sind die Zusätzezum Text des Originals unbedeutend. — Die wichtigste literarische Leistungaber liegt wohl in Alfreds Übersetzung von Boethius' De consolationephilosophiae, durch die er sein Volk mit dem Hauptbuche des ausgehendenAltertums über praktische und spekulative Philosophie bekannt machenwollte. Das Buch bot an sich für den König, der sich ja seine Kenntnissein den Wissenschaften erst in späteren Jahren hatte erwerben können, sehrgroße Schwierigkeiten, und daher ist die Angabe Wilhelms von Malmesburydurchaus glaubhaft, daß ihm Asser erst den Urtext durch eine vereinfachendeÜbersetzung auslegen mußte. So ist Alfred mit dem Original auch ziemlichfrei verfahren. Er hat nicht nur mancherlei ausgelassen, sondern auchselbständige Zusätze gemacht, 1 ) und vom dritten Buche an ist er völligfrei verfahren und spricht vielfach eigne Gedanken aus, die eines christ-lichen Königs höchst würdig sind. So wurde der Neuplatonismus des Boethiusdurch Alfred der christlichen Weltanschauung noch näher geführt, als eres schon im Originale ist, 2 ) und Alfred hat, im Sinne seiner Zeit sowohlals überhaupt, durch seine Arbeit dem Klerus der Heimat eine unberechenbargroße Wohltat erwiesen. Allerdings ist er hierbei nicht ganz selbständigverfahren, denn es ist nachgewiesen, daß er sich in seinen Zusätzen undbei seinen eignen Gedanken häufig an einen ihm vorliegenden Boethius-kommentar anlehnte, 0 ) der auch von späteren Boethiuserklärern wie Wilhelmvon Conches, Robert von Lincoln und Nikolaus Triveth benutzt wurde. Zu-letzt bot Alfred seinem Volke noch eine Blumenlese aus Augustin, Gregorund Hieronymus, indem er die zwei ersten Bücher dieses Werkes ausAugustins Soliloquien übersetzte, während das dritte Buch Exzerpteaus Augustins Brief an Paulina (De videndo deo), aus dessen Gottesstaat,aus Gregors Dialogen und Moralia und aus Hieronymus' Lukaskommentarin Übersetzung zusammenstellte und hiermit eigne Gedanken des Über-setzers in Verbindung brachte. Hingegen sind dem Könige erst in spätererZeit Lebenssprüche beigelegt worden, die nicht auf ihn zurückgehen. 1 ) Erstarb nach einem äußerst tatenreichen Leben am 26. Oktober 900 (oder 901).Noch geraume Zeit vor dem Tode Alfreds verfaßte nun Asser eineArt Biographie seines königlichen Freundes. Sie fällt wohl ins Jahr 893, 5 )obgleich die darin erzählten Tatsachen nicht über 887 hinausgehen. Fürdie früheren Zeiten stand ihm wahrscheinlich eine lateinische Übersetzung
') Vgl. hierzu Plummer p. 181—185 undThe Cambr. bist, of Engl. lit. 1.100 f.
2 ) Vgl. Warwick Draper, Alfred theGreat p. 73.
3 ) Vgl. G. Schepss im Archiv f. d. Studiumd. neueren Sprachen und Litteraturen 95,149-156.
4 ) Vgl. The Cambr. hist. of Engl. lit. 1,218 f.Ausgabe von W. W. Skeat, The proverbs ofAlfred, Oxford 1907; vgl. p. XL1V ff.
5 ) Asserbestimmt 1,1 (ed.Plummer) dasGeburtsjahr Alfreds auf 849 und sagt 91, 3 f.,daß er im 45. Jahre Alfreds schreibe; vgl.Plummer p. LXXIV und LXXXII.