Adam von Bremen. 399
Der neue Domherr hatte sich nämlich vorgenommen, die Geschichte desErzbistums von dessen Entstehung an bis auf seine Zeit darzustellen, daes ein solches Werk noch nicht gab, während die meisten älteren Hoch-stifter schon ihre Geschichte besaßen. Daß er den Plan hierzu zeitig gefaßthat und nicht etwa erst nach dem Amtsantritt Liemars, wie aus einer ge-wissen Höflichkeit gegen den neuen Erzbischof die Vorrede glauben machenwill, ergibt sich schon daraus, daß er sich bald nach seiner Ankunft inBremen zum Dänenkönig Sven begab, um von diesem die Geschichte desNordens zu erfahren, und daß er mehrfach Adalbert als Quelle für seinWerk anführt. Außerdem wäre es an sich unmöglich, daß er in höchstensdrei Jahren ein Werk geschrieben hätte, das auf einer so großen Anzahlvon Quellen beruht, deren Erlangung ihm oft nicht leicht gefallen sein mag.Nachdem er also den reichen Stoff gesammelt hatte, ging er an dessenZusammenstellung und beendete sie wohl im Jahre 1075, denn in dem an-gehängten poetischen Epilog berührt er Vs. 48 f. deutlich die versöhnlichePolitik Liemars im Sachsenkriege von 1075. l ) Mit einem längeren Briefewidmete er Liemar seine Arbeit, und schon dieser Brief ist für den Ver-fasser höchst bezeichnend. Denn sein Ton ist würdig in jeder Beziehung,er spricht bescheiden von sich und von seinem Vorhaben und bedenkt Liemarkeineswegs mit der gewohnten Schmeichelei. Nachdem er erfahren habe,sagt er, daß die Bremer Kirche eine große Einbuße erlitten hätte, habeer sich mit dem Plane getragen, ihr zu helfen, und er habe vieles überdie Vorgänger Liemars gelesen und gehört, was wegen seiner Bedeutungund wegen des Notstandes der Kirche der Darstellung wert sei. Daß aberdas Erzbistum noch keinen Historiker gefunden habe, könne wohl jemanddamit begründen, daß die Taten der früheren Erzbischöfe zu unbedeutendseien oder daß man es hierzu an Fleiß habe fehlen lassen. Deshalb seiihm der Wille gekommen, die Taten der Bremer oder Hamburger Erz-bischöfe aufzuzeichnen. Zu dieser schwierigen Arbeit erbitte er um so mehrNachsicht, als er sich auf keine Vorarbeiten stützen könne. Und er wendesich daher zu ihm (Liemar) als dem, der sein Werk zugleich beurteilenund mit seiner christlichen Weisheit decken möge. Es werde ihm aller-dings an Gegnern nicht fehlen, die sein Werk etwa mit dem von Ciceroerdichteten Somnium Scipionis 2 ) vergleichen würden; doch er beabsichtigegar nicht allen zu gefallen, sondern nur ihm, denn den Neidern etwas rechtzu machen sei sehr schwierig. Daher wolle er ihm auch seine Quellen an-geben. Zu manchem habe er zerstreute Blätter gesammelt, vieles habe erGeschichtschreibern oder auch den Privilegien der Päpste entlehnt, diegroße Masse seines Stoffes aber verdanke er der Belehrung durch ältere,erfahrene Männer, und er habe nichts aus sich selbst hinzugefügt, sondernvielmehr alles durch sichere Zeugnisse gestützt, so daß der Leser derenGewicht Glauben schenken müsse, wenn man ihm selbst solchen verweigere.Übrigens wolle er nicht als ein fertiger Historiker gelten, aber er fürchteauch nicht als Fälscher bezeichnet zu werden, und was er nicht gut ge-
') Daß er aber noch später Schollen zu 2 ) Dessen Erklärung durch Macrobius zu
seiner Arbeit fügte, legt Schmeidler p.LVI i den verbreitetsten Schulbüchern damals ge-dar (vielleicht bis 1085). ] hörte.