übend. Auf Eingebung des hl. Geistes, sagt sie, kam sie hier aufden Gedanken, zum Heil und Andenken ihrer Eltern Johannes undMargaretha v. Burgund, ihres Gemahles Adolph, ihrer Kinder, undInsbesondere auch zum Dank und zur Wiedervergeltung all' der Gabenund Güter, die Gott der Herr ihr verliehen, aus eigenen Mitteln einKloster zu gründen. Hatten doch ihr Gemahl das Karthäuser-KlosterRegina coeli auf der Grafeninsel bei Wesel gestiftet und als letzteRuhestätte sich erkoren, und ihr Sohn Herzog Johann I. nicht ohneihr Zutun 1 ) die Gründung des Dominikanerklosters in Calcar unterHänden, das er bei seiner Rückehr aus dem heiligen Lande am Grabedes hl. Dominicus gelobt hatte. Am liebsten hätte die Fürstin ihrKloster am Fuß des Monterberges auf dem fürstlichen Meierhof opgen Born, dem Römischen Burginatium, erbaut, allein die Räte rietenihr das entschieden ab, weil der Bezirk zu sumpfig und den Ober-schwemmungen des Rheins und der Lei oder Monne, eines altenRheinarmes, ausgesetzt war. Auffallend ist es, daß sie nicht selbstauf Trappenboom kam, das so Viel von sich reden machte undganz gewiss mehr als ein Mal von ihr persönlich besucht wordenist. War dort doch das Terrain durch seine Lager und Waldungen,die größtenteils ihrem Hause angehörten, äußerst günstig.
Zwei Sorgen waren es, die von da ab die fromme Matronequälten, zuerst die Frage, wo sie das Kloster bauen, und sodannwelchen Orden sie wählen sollte. Über beide Bedenken wurde siedurch eingeweihte Persönlichkeiten aus ihrer Umgebung jedenfallsaus Mitleid mit der Matrone hinweggehoben, denn unwillkürlichkommt man durch die Art und Weise, wie dies geschah, auf den Ge-danken, daß eine pia fraus oder ein frommer Betrug hier gespielt hat.
Eines Tages ritt der uns bereits bekannte Rektor Arnold Bolsan gen Trappenboom, zur Zeit Hofkaplan bei der Fürstin auf Mon-terberg und Inhaber der dortigen Vikarie der seligsten Jungfrau undder Apostel Petrus und Paulus 3 ), im Auftrag seiner Herrin unterBegleitung anderer Hofleute, sei es an den Burgundischen Hof odernach s'Hertogenbosch in Nordbrabant, das durch seine illustreBruderschaft U. 1. Frau mit dem clevischen Hof in Verbindung stand.Zwischen Veghel und s'Hertogenbosch verirrte sich die Reise-gesellschaft in einem Wald, so daß sie schließlich nicht mehrwußte, wo ein noch aus. Die Lage wurde um so peinlicher, als derAbend anbrach. Endlich vernahm sie ein Glockengeläute, folgtedemselben und gelangte an die Klosterpforte von Marien- oderKoudewater. Sie wurde freundlich aufgenommen und vernahm, wiedie Mönche eben die Komplet beendigten und Frauenstimmen ein-setzten, dasselbe Gebet auch ihrerseits zu singen. Auf ihre Erkun-digung erfuhr sie, daß sie sich in einem Doppelkloster S. Salvatoris
') Vergl. Schölten, das Dominikanerkloster i. Calcar. Cleve. 1904. S. 5, 6.2 ) Vergl. Schölten, die Stadt Cleve. Cleve 1879. S. 137 u. 138.