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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
sance keinen Abbruch zu tun. Er merkte nicht, daß eben in ihrdie italienische Form der Reform lag, während die rein religiöseReform christlicheren Völkern vorbehalten blieb. Der armeMönch übersah, wie in einem Winkel des Signorenplatzes dasbleiche Gesicht Nikolaus Machiavellis lachte.
Hand in Hand mit dem frischen Neuaufleben der Savonarola-forschung in Italien ging eine solche in Deutschland, wo man amFrate ja von allem Anfange an lebhaften Anteil genommen hatte.Leopold Ranke, der ihm, wie wir uns erinnern, schon in seinerJugendschrift warme Aufmerksamkeit geschenkt hatte, unterzogseine Geschichte einer neuen sorgsamen Prüfung 127 an der Handder Tagebücher Parentis und Cerretanis sowie der durch Mar-chese, Villari, Gherardi und Cappelli veröffentlichten Urkunden,von der Erwartung geleitet, auf diesem Wege zu einer „selbst-ständigen Anschauung der Ereignisse zu gelangen, unabhängigvon der Legende der Anhänger des Mönches und den einseitigenErzählungen gleichzeitiger Schriftsteller". Mit unübertrefflicherMeisterschaft schilderte er die enge Verkettung der florentinischenParteiverhältnisse und der Beteiligung des Frate an ihnen mit dengroßen politischen Angelegenheiten der führenden italienischenMächte und entwarf mit musterhafter Unbefangenheit ein Ge-mälde, das durch lebhafte Pinselführung und feine Einzelzügeunvergänglichen Reiz gewährt. Mit scharfem Blicke erkannteer die entscheidende Bedeutung der Prophetie und betonte nach-drücklich die unzweifelhafte persönliche Ehrlichkeit und Wahr-haftigkeit des Propheten. Er hatte ein offenes Auge für die Groß-artigkeit seiner mit den höchsten Fragen der Christenheit aufsengste verwobenen Erscheinung und hob die Unrichtigkeit derschon von den Zeitgenossen gerne aufgestellten und von denspäteren unzähligemal wiederholten Behauptung hervor, als seier, mochte seine Gewalt in Florenz noch so außerordentlich sein,Herr und Meister der Stadt gewesen, zumal sich darüber streitenlasse, ob sich überhaupt ein vollkommen unabhängiges Staats-wesen, sei es monarchisch oder republikanisch, mit der Verfas-sung der katholischen Kirche und der Allgewalt des Papsttumsvereinigen lasse. Er bewunderte die überraschende politischeEinsicht des weitabgewandten Mönches und fand die ihm viel-fach zugeschriebene feurige Rücksichtslosigkeit in seiner Hand-lungsweise nicht durchweg bestätigt. Daneben liefen nun frei-