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SAVONAROLA IN DER GESCHICHTSLITERATUR
im 15. Jahrhunderte fühlte, daß ein neues Leben die Menschheitdurchdringe und erwecke, so daß er in Wahrheit der Prophet derneuen Zivilisation genannt werden kann." Was Villari überMarchese sagte 109 , daß er die Aufmerksamkeit und feurige Be-geisterung der Italiener für den republikanischen Frate gewann,der mit so unerschrockenem Mute die Medici und Borja be-kämpfte, die alte Verbindung von Beligion und Freiheit wiederanknüpfte und den Märtyrertod im Namen Gottes und des Vater-landes erlitt, das galt von ihm selbst; ihm war es hauptsächlichzuzuschreiben, daß Savonarola nachgerade zum italienischenNationalhelden wurde. Den Frate aber zum Bahnbrecher neu-zeitlicher Ideen und bürgerlicher Freiheiten stempeln, heißt ihnvollständig mißkennen 110 . Trotz gründlichster Quellenforschungverstand ihn Villari nicht und konnte ihn gar nicht verstehen,da er, im Grunde noch immer in den Gedanken der Aufklärungs-zeit befangen, keinen Sinn für das mitbrachte, was die innersteLebens- und Triebkraft des Mönches, das Herz seiner Predigt,den Kern und Stern seiner Wirksamkeit ausmachte, die Über-zeugung von seiner prophetischen Sendung. Mit rührender Hilf-losigkeit stand Villari diesem alles entscheidenden Ansprüchegegenüber, zu dessen Erklärung er eine Abhängigkeit von denkrankhaften Traumgesichten Silvesters mit in Rechnung stellenzu müssen meinte. Mit dieser Hauptschwäche hängt aufs engstedie weitere zusammen, daß er der religiös-kirchlichen Tätigkeitdes Frate zu geringe Beachtung schenkte und den Eindruck er-weckte, als sei die Schwärmerei für die Freiheit und Demokratieder Hauptzug im Wesen des Frate, was dann zur Folge hatte,daß in den von leidenschaftlichem Freiheitsdrange durchbraustenJahren Italiens, in welche das Werk Villaris fiel, der Jubel desVolkes dem republikanischen Freiheitshelden entgegenscholl, derdem noch in der tiefen Finsternis mittelalterlicher Scholastik undKirchlichkeit tappenden Klosterbruder niemals zuteil gewordenwäre.
Mit dem Werke Villaris war wie die gesamte Savonarolalitera-tur, so namentlich auch das Buch schon veraltet, das unmittel-bar vor ihm erschienen war: „Leben des Bruders HieronymusSavonarola, beschrieben von Barthol. Aquarone 111 ." Hauptsäch-lich auf die Piagnonen, besonders noch auf Barsanti, dann aberauch auf Parenti und Cerretani wie auf eine gründliche Kennt-