VERSCHIEDENHEIT DER URTEILE
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C. Savonarola in der Geschichtsliteratur.
Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt,Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.
Schiller.
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Zwei Hauptfehlerquellen sind es, welche das geschichtlicheUrteil zu trüben und irrezuführen geeignet sind, mangelhafteKenntnis der tatsächlichen Verhältnisse bzw. der hierüber be-richtenden ersten Quellen und religiös-dogmatische oder politischeVoreingenommenheit; sie richten schon einzeln, erst recht aber,wenn sie vereint auftreten, das größte Unheil an. Ein Musterbei-spiel ist die' Geschichte Savonarolas. Die mit zäher Beharrlichkeitfestgehaltenen Vorurteile über ihn wurzeln zum guten Teile inmangelhafter Quellenbenützung, näherhin in einseitiger Bevor-zugung der Berichte seiner Gegner, die, nachdem sie ihn an denGalgen gebracht, selbstverständlich allen Grund hatten, nun auchden Anschein zu erwecken, als sei dies mit vollem Rechte ge-schehen. Noch mehr machte sich der Einfluß abweichenderkirchlicher oder politischer Grundsätze bemerklich, durch welcheja von vornherein auch schon die Quellenauswahl selbst bedingtward. Gerade Savonarola war nun aber ein Mann, an dem sichdie Geister schieden. Savonarola hieß, ob mit Recht oder Unrecht,Kampf gegen mediceische, gegen alle Tyrannei, Kampf für Volks-freiheit, Republik und Demokratie; wer immer also von solchemKampfe nichts wissen wollte, der mußte von vornherein schonmehr oder weniger gegen einen Mann eingenommen sein, in demsich das Ringen um die politische Freiheit verkörperte. Savonarolahieß aber noch viel mehr Kampf gegen römische Verrottung undkirchliches Verderben, Kampf für eine gründliche Reform anHaupt und Gliedern. Savonarola hieß Verlegung des Wesens desChristentums in werktätige Gottes- und Nächstenliebe, in dieNachfolge Christi, in die Anbetung im Geiste und in der Wahr-heit. Savonarola hieß Verkörperung des von den Aposteln ge-predigten und in der Tat geübten Grundsatzes: „Du sollst Gottmehr gehorchen als den Menschen!" Wer immer nun von einerernsten Reform nichts wissen wollte; wer immer, von Rom ab-hängig, mehr zum Papste als zur Kirche stand; wer immer denGlauben über die Liebe setzte und sich mit äußeren Werken alseiner Abschlagszahlung für den Mangel an christlicher Gesinnung
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