DAS ENDE DOFFO SPINIS
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So sehr sich Pico befleißigt hatte, eine möglichst reiche Zahl sol-cher Fälle zu sammeln, so war doch auch seine Liste schon baldnicht mehr vollständig. Sie wurde durch einen Nachtrag ergänzt,welcher den Sohn jenes Johann Manardi 97 zum Verfasser hatte,der wie als gefeierter Arzt, so als vertrauter Freund Joh. FranzPicos bekannt war und einige Jahre am Hofe des Königs Ladis-laus von Ungarn lebte (f 1536). Im Jahre 1495 zu Ferrara geboren,teilte Ignaz Manardi mit seinem Vater und Pico die Begeisterungfür den Frate, in der er 1519, mit dem Doktorate der freien Künsteund Medizin geschmückt, in S. Marco als Mönch eintrat 98 . Alssolcher erlebte er das schreckliche Ende des CompagnacciführersDoffo Spini, der am 4. Juli 1520 starb 99 , von der französischenKrankheit in einer Weise zerfressen, daß das Fleisch in Fetzenan den Betten hing. Ignaz konnte es sich nicht versagen, gleichvielen Bürgern den grausig entstellten Leichnam anzusehen unddem Begräbnisse anzuwohnen — ein Schauspiel, welches auf ihnebenso tiefen Eindruck machte wie die Beobachtung, daß auchandere Gegner des Frate ein trauriges Ende nahmen. Währendseines Aufenthaltes in S. Roman zu Lucca wirkte er nicht bloßals Chronist dieses Klosters, sondern auch als Beichtvater derNonnen von S. Dominikus, in dieser Stellung Nachfolger Bur-lamacchis, dessen Schrift er sicherlich gerne zur Hand nahm.Dank seiner alten nahen Beziehungen zum Hause Mirandolahatte er aber das Werkchen Picos ganz besonders ins Herz ge-schlossen; er schrieb es ab 100 und versah es mit Zusätzen, darunterauch mit einem Berichte über das schreckliche Ende Doffo Spinisund über das Wunder der heiligen Katharina von Ricci, die eröfter besuchte und sprach. Er starb 1557 zu Viterbo 101 .
Schon Burlamacchi und Pico hatten in ihren Schriften denZweck mit verfolgt, die Heiligsprechung des Frate anzubahnen 102 .Seitdem Pacifico aus dem Munde Julius' II. die Versicherung er-halten hatte, er sei gerne bereit, ihn in die Zahl der Heiligen auf-zunehmen, hatte er dieses Vorhaben nicht mehr aus den Augenverloren. Als sich nun diese Hoffnung am Ende des Jahrhundertsendlich zu verwirklichen schien und sich Clemens VIII. zurKanonisation unter der Voraussetzung bereit erklärt hatte, daßdie dazu nötigen Unterlagen vorgelegt würden, galt es für diePiagnonen, zu handeln. So verfaßte denn Seraphin Razzi, geborenzu Florenz 1531, seit 1549 Mönch von S. Marco, seit 1591 Beicht-60 Schnitzer, Savonarola