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DIE LEBENSBESCHREIBUNGEN
Nachweis der im Leben des Frate erfüllten Prophezeiungen, wäh-rend er seiner großen kirchenpolitischen und reformatorischenTätigkeit so wenig wie Cinozzi, Ubaldini und Benedikt gerechtwird. Als gläubiger Christ und frommer Ordensmann in derbiblisch-christlichen Wunderwelt heimisch, und mit all seinenZeitgenossen, selbst Spötter wie Machiavelli nicht ausgenommen,vom Hereinragen einer übersinnlichen Geisterwelt in das Men-schenleben überzeugt, räumt er Dämonen und Engeln, himmli-schen Offenbarungen, Gesichten und Wundern einen weiten Spiel-raum in seiner Erzählung ein, wie denn die Heiligenleben allerJahrhunderte von solchen Berichten strotzen. Noch weit mehrals schon bei Cinozzi macht sich die fromme Legende bei ihmbreit; auch an gelegentlichen Irrtümern und Ungenauigkeitenfehlt es nicht 37 . Gleichwohl ist sein Zeugnis, soweit es von solchen,überall leicht erkennbaren legendären Auswüchsen nicht getrübtist, unanfechtbar und wird gerade bezüglich der wichtigsten Er-eignisse im Leben des Frate durch die übereinstimmenden Aus-sagen der unterrichtetsten zeitgenössischen Schriftsteller, Freundewie Feinde, glänzend bestätigt 38 . Überhaupt ist die Zeit gering-scl lätziger Ablehnung der Piagnonenberichte als minderwertiger,,fratescher Legende" endgültig vorbei. Sorgsame Quellenprüfunglehrt immer wieder, daß die Piagnonen an Glaubwürdigkeit hin-ter ihren Gegnern nicht im geringsten zurückstehen, und daß eskeineswegs genügt, bei gelegentlichen Besuchen in florentinischenArchiven und Bibliotheken mit dem Bleistift und Notizbuch in derHand in alten Chroniken zu blättern und einige ansprechendeStellen abzuschreiben, um altbewährte Überlieferungen über denHaufen zu werfen. Burlamacchi vermochte nun aber seine Lesernicht nur durch die Fülle des von ihm gebotenen Stoffes zu be-friedigen, er entzückte sie zugleich durch die Schlichtheit undTreuherzigkeit, Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit seiner Schil-derung wie durch die Wärme und Innigkeit seines Tones, in demeine Verehrung, eine Liebe, eine Begeisterung für den Prophetennachzitterte, die im Herzen des Lesers unwillkürlich verwandteSaiten anschlug. ,,Ich weiß nicht," sagt ein hervorragender Ge-schichtsschreiber unserer Zeit 39 , „wie die Kritik über Burlamac-chis Lebensbeschreibung urteilen wird. Nur das eine weiß ich,daß ich seine ergreifende Erzählung über die letzte Nacht Sa-vonarolas 40 niemals zu lesen vermochte, ohne daß sich mir das