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DES FRATE ANFORDERUNGEN AN PREDIGER
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Heiden, die ihre Urheber ins Verderben stürzte, den Gläubigenaufzutischen! Das also ist alles, was sie vom Apostel zu lernenhaben, der nur nebenbei und so kurz und selten wie möglich eineDichterstelle einflocht? Wenn sie auf seine Nachahmung so sehrversessen sind, warum nehmen sie sich nicht auch seinen heiligenWandel, seine Christusliebe und seinen Predigteifer zum Muster?"Es gibt unter den Predigern aber auch Leute, die nicht einmalgrammatikalisch gebildet sind und einfach auswendig lernen undmechanisch herunterleiern, was sie von anderen entlehnt haben,ohne es selbst zu verstehen 124 . Wieder andere behandeln auf derKanzel unnütze Dinge, wie die göttliche Prädestination oder dieEmpfängnis der seligsten Jungfrau 125 . Überdies sind die Predigergegenwärtig zu Speichelleckern der Großen herabgesunken, derenGunst sie mit glatten Versen und schönen Redensarten zu gewin-nen trachten. Willig lassen sie sich von ihnen zur Predigt einladenund besorgen sie ihre Geschäfte, denn die Vornehmen haben esgerne, wenn sie von Predigern öffentlich gelobt werden und hier-durch in den Augen ihrer Untertanen in den Geruch der Frömmig-keit kommen. In Wirklichkeit freilich wollen sie die Wahrheitnicht hören, sondern hassen die Heiligen, die sie verkünden, wäh-rend sie alle die mit Auszeichnungen überschütten, die ihnen schön-tun und schmeicheln. Solche Prediger, die den Großen schmei-cheln, sind Hebammen des Teufels 126 . Wie sie selbst keinen nach-haltigen Erfolg erzielen, so können sie, von Neid über die Gnadedes Nächsten erfüllt, auch den Erfolg eines anderen nicht ertra-gen, sondern bersten vor Mißgunst und nehmen es ihm gewaltigübel, wenn der Heilige Geist durch ihn wirkt und in den Herzender Brüder Früchte treibt, da sie fürchten, nun auch selbst zueiner Besserung des Lebenswandels gezwungen zu sein 127 . Eskommt sogar vor, daß sich Prediger über ihre Zuhörer lustigmachen; so tat sich ein berühmter Kanzelredner etwas zugutedarauf, die Gläubigen, diese dummen Schweine, zum Weinen ge-bracht zu haben 128 . Unter solchen Umständen ist es nicht zu ver-wundern, wenn die Predigt nachgerade in Mißachtung geriet undnur mehr aus Gewohnheit und Fürwitz und sonstigen eitlen Grün-den besucht wird 129 . So lange nicht eine Erneuerung der christ-lichen Predigt eintritt, ist an eine Erneuerung des christlichen Le-bens nicht zu denken. Die Neugeburt der Predigt aber, darinstimmte Savonarola mit dem heiligen Bernhardin von Siena über-
44 Schnitzer, Savonarola