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DER PREDIGER
Truppen vom Erdboden verschwand. Oft fand sich der berühmteStaatsmann hier ein, um sich mit dem geistvollen Mönche über diewichtigsten theologischen Fragen, besonders aber über die Un-~-sterblichkeit der Seele zu unterhalten 84 . So sehr war Marian mitdem mediceischen Hause verwachsen, daß man sich an dieses zuwenden pflegte, wenn man ihn als Fastenprediger gewinnenwollte 85 . Im Sommer 1497 war er denn auch in die Verschwörungverwickelt, welche die Zurückf ührung Peters bezweckte, und wurdedeshalb mit Verbannung bestraft 86 . Zu seinen wärmsten Ver-ehrerinnen zählte die Herzogin Elenonora von Ferrara, seitdem er1492 hier gepredigt hatte. Er hatte damals versprochen, im folgen-den Jahre wiederzukehren, kam jedoch dieser Zusage, obschonauch der Herzog ein „grenzenloses Verlangen", ihn zu hören,hegte 87 , nicht nach, sondern ging nach Mailand, wo er „unaus-sprechlichen Beifall" erntete 88 . Die Konsuln der sabinischen StadtNorcia, der Heimat des heiligen Benedikt, nannten ihn „den EngelGottes auf Erden 89 ". Von Pontan ward er in überschwänglichenVersen besungen 90 , von Hugolin Vieri als der „beredteste undheiligste Mann", als der Prediger, der in den Fußtapfen Pauliwandle, gefeiert 91 . Peter Delphin hatte eine so hohe Meinung vonihm, daß er nicht zweifelte, sobald er mit seiner Predigt am päpst-lichen Hofe beginne, werde sich dieser samt Alexander VI. zurBuße und kirchlichen Erneuerung bekehren 95 . Marian hätte reich-liche Gelegenheit gehabt, ein so löbliches Werk in Angriff zu neh-men. Am 13. Mai 1497 zum Generale seines Ordens erwählt 93 , undals solcher selbst einflußreiches Mitglied der Kurie, war er so weitentfernt, sich dem schmachvollen Treiben der Borja entgegenzu-stemmen, daß er dem Papste sogar in der schmutzigen Ehe-angelegenheit seiner Tochter Lucrezia zu Diensten war 94 . Schonsah er das heiß ersehnte Ziel seines Ehrgeizes, den roten Hut, überseinem Haupte schweben, als er Ende 1498 zu Calvi, unweit Neapel,einem hitzigen Fieber erlag 95 . Leider ist uns von all seinen Kanzel-vorträgen nur die Predigt 96 erhalten, die er am 3. Adventsonntage1489 vor Innozenz VIII. und seinem Hofe über die Worte: „Ich bindie Stimme des Rufenden in der Wüste" (Luk. 3, 4) hielt. Es isteine schwülstige Prunkrede in geschraubtem Humanistenlatein,voll plumper Schmeicheleien gegen den Papst, dessen Name nichtder eines Menschen, sondern Gottes sei, ohne tieferen religiösenGehalt und ohne einen Hauch jenes apostolischen Feuers, das zu