DER FRANZISKANER GEORG BENIGNI
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dem Beinamen Benigni in seiner 1497 gedruckten Schrift „Pro-phetische Lösungen" ein 78 , in welcher er auf drei Fragen Antworterteilte, nämlich 1. ob es auch nach Christus noch Propheten gebe,2. ob der Frate ein solcher sei, und 3. warum er gerade nach Florenzgesandt ward. Die beiden ersten Fragen werden unbedenklich be-jaht. Die göttliche Sendung des Frate, erklärt Benigni, erhelltschon aus dem Umstände, daß sie den Erfordernissen der gegen-wärtigen Zeitlage wie den Gepflogenheiten der göttlichen Vor-sehung gleicherweise entspricht; sodann aus seinem lauterenWandel und aus seiner feurigen Begeisterung, endlich aus demInhalte seiner Predigt. Wie den Kennern des göttlichen Gesetzesbekannt ist, stehen nunmehr die Zeiten bevor, in welchen die überdie Erde zerstreute Kirche in einen Schafstall gebracht werdensoll, der Prophezeiung des 18. Kapitels der Johanneischen Offen-barung gemäß, von welcher ich selbst in England eine Auslegungin Händen hatte. Diese britische Auslegung liegt meines Erachtensanderen Weissagungen zugrunde, so der des Einsiedlers von Val-lumbrosa und verschiedener Kanzelredner, und fesselte auch michselbst so sehr, daß ich erst in Urbino und sodann mehrmals inFlorenz öffentlich über sie predigte, indem ich mich über dastausendjährige Reich und des Lammes künftige Hochzeit ausführ-lich verbreitete. Sicher ist jedenfalls so viel, daß wir am Vor-abende großer Ereignisse stehen, über die Gott seine Gläubigennicht im unklaren lassen kann, da er nach der Versicherung desPropheten Arnos (3, 7) nichts Großes verhängt, ohne es den Men-schen zuvor durch seine Boten kundzutun 79 . Ich wundere michdaher über die Sendung des Frate, dieses unseres Propheten, nichtnur nicht, sondern im Gegenteil darüber, daß nicht auch nochandere gesandt sind. Denn dies neue Reich wird der Urkirchegleichen, Christus wird sich jetzt mit seiner mystischen Brautwirklich vermählen und die frohe Botschaft auf der ganzen Erdeverkündigt werden. Was Wunder, wenn zu einem so großartigenUnternehmen unser Hieronymus erkoren ist? Oder entsprichtetwa sein Wandel nicht seiner Sendung? Sowohl als Oberer seinesOrdens, den er mehr und mehr zur alten Strenge zurückführte,wie als glühender Prediger bewährte er sich als ein ganz vorzüg-licher Mann. Warum soll ich ihm nun nicht glauben, wenn er be-teuert: „So spricht der Herr"? Gäbe er sich fälschlich für einenPropheten aus, so beginge er das furchtbarste Verbrechen, das ich
42 Schnitzer, Savonarola