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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER FRATE UND DIE GESICHTE MARUFFIS

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halb denn noch in neueren, angesehenen Geschichtswerken derVorwurf eine hervorragende Rolle spielt, er habe den Träumeneines krankhaft veranlagten Mannes blinden Glauben geschenktund sich hierdurch von Irrtum zu Irrtum fortreißen lassen 52 . Wirsahen nun aber freilich, daß auf seine gerichtlichen Aussagen keinVerlaß ist, da sie eben zu dem Zwecke planmäßig gefälscht wur-den, ihn als Lügenpropheten hinzustellen. Nachdrücklich hatteer längst vorher beteuert 53 , er habe den Verkehr mit dem weib-lichen Geschlechte stets sorgsam gemieden und Frauen nie Beichtgehört, noch ihren Gesichten je Gewicht beigemessen, da er wohlwisse, daß sie, des zur Unterscheidung der Prophetie unentbehr-lichen Prüfsteins der Heiligen Schrift bar, nur zu leicht die Beuteder Dämonen werden. Aber auch eine Abhängigkeit des Fratevon Maruffi ist so unglaubwürdig wie möglich. Gerade in seinenGeständnissen versicherte er, mit seinen Voraussagungen längstbegonnen zu haben, ehe er von den Gesichten Silvesters, dessenkrankhaften Zustand er sehr wohl kannte, etwas erfahren habe;er würde nicht anders gehandelt haben, wenn er auch niemalsetwas von ihnen vernommen hätte. Vom Boden seines auf dieBibel gegründeten Prophetismus aus konnte er den Träumen Sil-vesters freilich nicht schon von vornherein alle Beachtung versagen,da im Alten wie im Neuen Bunde von Träumen berichtet wurde,die keine Schäume waren, und auch der heilige Thomas 54 lehrte,Gott lasse seiner eigenen Versicherung gemäß (4. Mos. 12, 6) denMenschen zuweilen im Traume Offenbarungen zugehen. Gleich-wohl konnte davon gar keine Rede sein, daß der Frate eigenenoder fremden Träumen blindes Vertrauen geschenkt hätte. Erführte die Bedingungen ausführlich an, unter welchen ein Traumals Prophetie gelten könne 55 , und warnte eindringlich davor, Ge-sichten Glauben zu schenken, ehe man sich mit seinem Beicht-vater oder sonst einem erfahrenen Geistesmanne beraten habe 56 .Maruffi selbst gab im Verhöre zwar an 57 , Dominikus habe einmalin einer Predigt ein von ihm mitgeteiltes Gesicht verwertet, be-hauptete dies aber nicht auch von Savonarola, und auch Domini-kus wagte dies nicht zu tun. Ebensowenig wissen die Freundeund selbst die Gegner von einer Beeinflussung durch fremde Ge-sichte.

Robert Ubaldini, der im Verhöre weder seinen bisherigen Oberennoch seine Mitbrüder schonte, warf nicht dem Frate, wohl aber

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