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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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welche sie nun einmal durch das Begräbnis sei es nunmit Recht oder Unrecht schwer bedroht glaubten. In-sofern erwiesen sie sich als Wohltäter der Menschheit,welche die Verunglimpfungen, denen sie nachträglich viel-fach ausgesetzt waren, gewiß nicht verdienten. Ihre Ein-stellung zum vieltausendjährigen Problem des Bestattungs-wesens ergab sich ihnen mit der grundsätzlichen Überwin-dung des überlieferten Aberglaubens an den lebendenLeichnam von selbst. Wie es ein Kulturfortschritt war, alsman aufhörte, die Lebenden zu verbrennen, so war es einKulturfortschritt, als man begann, die Toten dem Brandezu überlassen. Von Roheit sollten hier aber die Gläubigeneiner Kirche am allerwenigsten jeden, welche so viele Jahr-hunderte lang nicht tote, sondern lebende Menschen, Männerund Frauen, Greise und Kinder erst entsetzlichen Folter-qualen und schließlich den Flammen überantwortet hat.Und wenn sie die Einäscherung als nordische Barbarei ver-schreit, so befinden sich die nordischen Barbaren in Gesell-schaft der Römer, Griechen und Inder, der ersten Kultur-völker der Welt.

Die evangelischen Kirchen wetteiferten anfangs mit derrömisch-katholischen in schroffster Ablehnung der Feuer-bestattung, welche vielfach auch von ihnen als Rückkehrzum Heidentum, ja sogar als Schande für den gesundenMenschenverstand und als Frevel gegen das Naturgesetzgebrandmarkt ward 20 ). Doch machte diese feindseligeStimmung allmählich einer besonneneren Beurteilung Platz.Die Konferenz der deutschen evangelischen Kirchenregie-rungen erkannte 1898 an, daß die Einäscherung keinem Ge-bote Gottes und keinem christlichen Glaubenssatze wider-spreche und auch in den Bekenntnissen der evangelischenKirchen nirgends verworfen werde. So gewähren denn auchdie protestantischen Geistlichen in allen deutschen Ländernwie in der Schweiz bei Feuerbestattungen ihre kirchlicheMitwirkung 21 ). Und denselben verständigen Standpunktnimmt die altkatholische Kirche in Deutschland wie diechristkatholische in der Schweiz ein 22 ).

20 ) W. Bahnsen, D. Stellung d. evang. Kirdie zur Feuer-bestattung 1898; H e i n r. Cornelius. D. Leichenverbrennung,eine Rückkehr zum Heidentum 1912; A. Jansen, Ein Mahnruf andas deutsche Volk! Die Leichenverbrennung, ein Frevel gegendas Naturgesetz des allmählichen Entstehens und Vergehens, eineSdiande für den gesunden Menschenverstand und eine Rückkehrzum Barbarismus. Straßburg 1910.

21 ) S c h i a n, Religion in Gesdi. und Gegenwart II 2 , 572.

^1 Hans J. Demmel, Pfarrer d. altkath. Gemeinde inKöln, Die römisch-kath. Kirche und ihre Stellung zur Feuerbestat-tung 64 f.

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