— 195 —
Frucht noch Samen. Ein Triumph derKunst, ja, meinetwegen — doch ein Triumphüber die Natur, und das ist Untergang . . .Die Gedankenfolge dieser seelenvollen Skizze,die Analyse der kranken Lebenslust einesüberkultivierten Geschlechtes, der Kampfzwischen zwei Kulturprinzipien, dem aristo-kratischen und dem demokratischen, — daskönnte ebensogut aus Frederic Amieis„Tagebüchern" stammen; es passt ganz gutauf unser Fin de siecle; dass dabei von„vapeurs" und Jean Jacques die Rede ist,wird zur Nebensache; das Zeitkolorit giebthier die Sprache. Das ist Rokoko; dieleichte, kokette, geistreiche Anmut der Linie,die unendliche Delikatesse in Wahl und Auf-trag der Farben, die Virtuosität im Deko-rativen, die Verwendung von Blumen alsBouquets und Guirlanden — der ganze „stylefleuri et fantaisiste" malt besser als tausendfaktische Details . . .
Ebenso trifft Hallström aber auch dastief Gemütvolle, den zart ekstatischen Ton— je'den Ton. Er hat nach der Novellen-sammlung „Purpur" einen kleinen Romangeschrieben, genannt „Eine alte Geschichte"(1896), aus den Tagen, wo der Grossvaterdie Grossmutter nahm, so lächerlich undrührend, so intim und echt, dass ich nichtsÄhnliches kenne. Und im Skizzenbuch „Der