Druckschrift 
Die skandinavische Litteratur und ihre Tendenzen : nebst anderen Essays
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

Kinder dieser armen Erde, deren Sommer-jubel kurz und vergänglich ist. Sie fühlensich unter dem angeborenen .Gesetz undZwang ihres Blutes, zugleich bewusst undunfrei, halb Gott und halb Naturprodukt,ein Problem der Zwitterhaftigkeit, mit demTod als indizierter Lösung. Und sie begegnenanderen äusseren Potenzen, die gleich ihnenden blinden Mächten des eigenen Wesensunterworfen sind, Menschen und Dingen, mitmit denen ihr Leben sich verschlingt, überderen wirkende Kräfte sie aber nichts ver-mögen. Sie prallen auf einander ob sie sichvertragen, ob sich zerschlagen, das macht ihrfragwürdiges Schicksal aus. Weil aber diewirkenden Kräfte dieser Erde unwiderstehlichsind, blind und souverän, die gleichen invielen Formen, und ob sie schaffen oderzerstören, immer göttlich und immer dasLeben, giebt es in Krags Buch kein Gutund Böse im Sinn einer Predigt, nurSchmerz und Lust, und die grösste Lustvielleicht im Schmerz. Denn gerade das istder grösste Triumph des menschlichen Geistes:den Schmerz als intensive Lust zu empfinden,als potenziertes Leben, als Urgrund allesMenschentums, weil es die kleinste Faserdurchpulst und jedes Molekül gleichsam be-wusst macht, mit Seele begabt.

Drum beugt Thomas Krag das Knie vor

H e r z f e 1 d, Die skandinavische Litteratur etc. 6