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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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zu verstehen ist. Aber er geht nicht darauf ein, sondernverweist statt dessen auf der kunge buch und auf dieMakkabäer. Gerade dem letzten Werk verdankt derDichter viel, und da der Makkabäerdichter höchstwahr-scheinlich kein anderer ist als Luder v. Braunschweigselbst 1 ), der Auftraggeber des Dichters, liegt der Ge-danke nahe, daß die Anführung der Makk. an dieserStelle vielleicht nur ein Akt der Höflichkeit gegen denGönner ist. Überhaupt drängt sich ein Vergleich mitdem Makkabäerdichter auf. So stark der Danieldichterformal von ihm abhängig ist, so fern steht er ihm inner-lich. Der Dichter der Makk. ist bei aller äußerenSchwerfälligkeit doch eine geistig bewegliche Natur. Erhat ein starkes Interesse an den Dingen und Personen,von denen er erzählt, eine naive, recht weltliche Tat-sachenfreude, die sich in einer ganzen Zahl von baldgeographischen, bald ethnographischen, bald historischenZusätzen und Bemerkungen kund gibt. Nichts davon imDaniel. Das Historische an seinen Personen ist ihmgleichgültig. Reale Erklärungen fehlen mit einer Aus-nahme ganz. Und auch diese, der Exkurs über die ka-nonischen Hören (5123 ff.), wächst sich unter seinen Händenmit einer gewissen Selbstverständlichkeit zu einer langenPredigt aus, die mit einer didaktischen Wendung schließt.Man hat stellenweise das Empfinden, als seien nicht dieGlossen um des Textes willen da, sondern umgekehrt derText wegen der Glossen, denen er nur als Unterlage, alsAusgangspunkt zu dienen hat. Das geistliche Interesseüberwuchert eben alles andere.

Auch der Begriff 'geistliches Interesse' bedarf nochengerer Begrenzung. Sie ergibt sich leicht, wenn manden Daniel neben Heslers Apokalypse stellt, auf die ersich selbst wiederholt bezieht und die bei der großenÄhnlichkeit des Themas, den apokalyptischen Visionen,am ehesten eine Ähnlichkeit auch in der Stoff behandlung

1) nach Helms einleuchtender Vermutung, Makk. p. XCII ff.