Druckschrift 
Daniel, eine Deutschordensdichtung
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

133

Gewaltsamkeit des Allegorisierens und ein starkes Vor-wiegen des Bußpredigthaften erscheint anoh hier. EineAbweichung von der gewöhnlichen Praxis liegt darin,daß der Dichter sich am Anfang ausdrücklich auf eineQuelle bezieht (mit der glosen, die ich han vunden in eimeLuche 6730), ferner darin, daß er außer den sonst alleinauftretenden Bibelcitaten auch Augustin und Aristotelesanführt. Beide Citate sind sehr allgemeiner Natur undmehr äußerlich angefügt, nicht in den organischen Zu-sammenhang der Glosse gehörig. Das des Augustin han-delt kurz von den zwei Wundern, die sich bei jederMesse vollziehen (6789), das des Aristoteles noch kürzervon dem guten Ende, das ein sündhaftes Leben aufwiegt(6833).

Statt der Glossen zu Kap. 11 und 12, die dieKämpfe um die Suprematie des Orients von den persi-schen Königen an bis auf Antiochus IV. von Syrienapokalyptisch darstellen, verweist der Dichter 7266ff.und 7385 ff. auf Apok. 13 und 20 (s. oben, p. 129). DieDeutung auf den Antichrist, die er beiden Kapiteln gibt,ist die übliche der mittelalterlichen Kommentare (vgl.Hist. schol. 198,1465 A und D).

Zu Kap. 13 (Historie von der Susanna) fehlt nichtnur die Glosse, sondern auch der Verweis auf andereSchriftwerke. Die Moral der Geschichte war so deutlich,d?ß sie sich selber vortrug.

Die Glosse zu Kap. 14 ist noch einmal allego-risch. Sie beschränkt sich knapp auf das Notwendigste ;das Drängen zum Ende ist deutlich bemerkbar. Der Textenthält zwei parallele Geschichten: Die Zerstörung desBaalbildes durch Daniel und die Vernichtung des Drachenszu Babel, die die Babylonier dadurch rächen, daß sieDaniel in die Löwengrube werfen. Die öfter beobachteteNeigung zum Verbinden und Zusammenschließen bewähihder Dichter, indem seine Glosse beide Geschichten ver-