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Daniel, eine Deutschordensdichtung
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Muster lateinischer Schriftkommentare beruhte, nämlichden Lauf des Textes an der betreffenden Stelle zu unter-brechen und die zugehörige Glosse einzuschieben; undHeslers Apokalypse, die er gut kennt, ist in dieser Be-ziehung nicht sein Vorbild gewesen. Seine Glossen sindgeschlossene Einheiten und stehen am Schluß eines jedenKapitels. Deshalb unterbricht er, von einer Ausnahmeabgesehen (5123ff.), nie den Lauf der Erzählung undvermeidet so das Zerfahrene, Zerpflückte, das ein Textdurch jene Methode gewinnen konnte, man denke etwaan die Apokalypse oder den Hiob, böse Beispiele dieser Art.Freilich war dem Dichter sein Verfahren nahe gelegt durchdie Beschaffenheit seiner Vorlage, insofern im Danielfast durchweg Kapitel für Kapitel eine völlige inhaltlicheEinheit darstellt.

Die Glossen sind nach Länge und Inhalt sehr ver-schieden. Sie werden im folgenden nacheinander durch-gegangen. Was über die Quellen des Dichters und überseine Arbeitsweise zu sagen ist, wird so deutlicher, alsin einer abstrakten, vom Stoff gelösten Betrachtung.

Glosse zu Kap. 1 (329560). Gleich die ersteGlosse zeigt den Typus der meisten übrigen und machtklar, was der Dichter unter Glossieren versteht: nichteine Erklärung des Textes, sondern eine tropologischeUmdeutung, die den Charakter der Predigt annimmt.Seine Glosse beschäftigt sich nur soweit mit dem Texte,wie sie in ihm eine Allegorie für den Lebens- und Sünden-wandel des Menschen finden kann, wie sie ihm eine geist-liche ttzlegunge (v. 925) zu teil werden lassen kann. AlsAnhaltspunkte bei dieser Auslegung dienen ihm dieEigennamen des Textes; ihr Wortsinn ist die Grundlageseiner Glosse'). Wie in Kap. 1 basiert auch in den

1) Dasselbe Ausdeuten des Eigennamens findet sich öfter in derApokalypse und bei Tilo v. Culm. Die Legenda aurea von Jacobus aVoragine leitet die einzelnen Kapitel zum größten Teil mit einer Aus-deutung des Namens ein. die freilich nicht von dem Dichter des Pas-