149in Düsseldorf blieb aber ebenfalls ohne öffentliche, festliche Kund-gebungen. Nur die im October wieder versammelten Stände ließenes sich nicht nehmen, schriftlich „unterthänigst zu congratuliren“, dasie, wie wir später sehen werden noch nicht zahlreich genug versam-den waren, „um mündlich ihre Devotion zu contestiren“. Erst am13. November warteten sie in corpore auf und sprachen ihre gutenWünsche für die Reise mündlich aus. Den 14. November geleiteleJohann Wilhelm die Braut mit sechs kostbar ausgeschmückten Dachtennach Dortrecht, von wo er nach Düsseldorf zurückkehrte, um den Land-tag auf die richtigen Wege zu bringen, die fernere Begleitung derSchwester dem Deutschmeister Ludwig Anton überlassend, welcher sieauch glücklich unter dem Schutze einer engliſchen Flotte, nach Spanien.brachte.Wenden wir unsern Blick auf die kriegerischen Ereignisse amNiederrhein zurück, so verließen wir den Kurfürsten von Branden-burg vor Bonn, im Begriff die förmliche Belagerung der Festung zuunternehmen. Nach einiger Unterbrechung, herbeigeführt durch dasVorgehen französischer Colonnen von der Mosel in die Eifel, er-reichte er endlich seinen Zweck, und nöthigte den Commandanten vonAsfeld zur Capitulation, welche am 12. October abgeschlossen wurde.Mainz hatte schon am 8. September capituliren müssen, und die dorffrei gewordenen deutschen Streitkräfte unter dem Herzog Karl vonLothringen hatten nicht wenig zu der Eroberung von Bonn bei-getragen. Auch Johann Wilhelm hatte durch Ueberlassung vonschwerem Geschütz aus Düsseldorf und durch Hergabe von 600 Mannseiner in Köln stehenden Truppen, mitgewirkt an dem glücklichen Er-Maria Anna war die zweite. Neuburgische Prinzessin, welche von Düsseldorf unter den Segenswünschen des Volkes nach der iberischen Halbinselzog. Karl II. empfing seine Braut mit großen Festen, aber die lebens-lustige geistreiche Königin von 22 Jahren fand wenig Befriedigung in derAlles mit engen Fesseln umstrickenden spanischen Etikette. Mit ihrerFreundin, der Frau von Berlepsch, war sie bald in die Intriguen ver-wickelt, welche damals den spanischen Hof bewegten und nach des KönigsTode den spanischen Erbfolgekrieg herbei führten. Als Wittwe lebte sie30 Jahre in Bayonne und wurde, weil sie das Intriguiren nicht lassenkonnte, nach Guadalaxara ins Exil geschickt, wo sie 74 Jahre alt 1740starb. Frau v. Berlepsch hatte sich bei Zeiten aus dem Staube gemacht.Aus den hauptsächlich aus französischer Quelle stammenden Schätzenkaufte sie in Deutschland die Herrschaft Mylendonk bei Gladbach, und warzuletzt gefürstete Abtissin des freien, weltlichen Stifts in der Neustadt zuPrag, wo sie in hohem Alter starb.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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149
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