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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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96VI.Johann Wilhelm als Kurprinz. Zweiter Landtag im August 1685. Geldforde-rungen für den Kurfürsten Philipp Wilhelm. Johann Wilhelms Wiener Reise,Oktober 1685. Rückkehr von Wien. Landtag 1686 März und April. Jülich-scher Unterherrntag und scharfer Conflikt, Mai 1686. Landtag 1687, Januarbis März. Vermählung der Prinzessin Maria Sophia mit dem Könige vonPortugal.Portugalische Hochzeit⸗Steuer. Jülich'scher Unterherrntag 1687.Anwesenheit der Königin von Portugal in Düsseldorf. Blick auf die politischenZustände im Reich und in den Herzogthümern.In seinem 70. Lebensjahre war Philipp Wilhelm zur Kurwürdegelangt, und seinem hohen Alter war damit eine Last aufgebürdet,welche zu tragen gewiß jüngeren Kräften nicht leicht geworden wäre,da bald neue Stürme den ruhigen Genuß der erlangten Würde ver-bitterten. Kaum hatte, am sechsten Tage nach dem Tode seines Vor-gängers, der neue Kurfürſt durch ſeinen dritten Sohn, den Deutſchmeister Ludwig Anton, in Frankenthal und Manheim Besitz ergreifenlassen, als auch schon ein Gesandter Ludwigs XIV. auftrat, um imNamen seines Souverains diesen Besitz anzufechten. Die Schwesterdes verstorbenen Kurfürsten Karl, die Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte,war nemlich an den Herzog von Orleans, Bruder des Königs, ver-heirathet,!) und für diese seine Schwägerin versuchte nun LudwigXIV. Ansprüche auf die Pfälzische Erbschaft zu erheben, obgleich dieselbebei ihrer Vermählung auf alle Successions=Ansprüche verzichtet hatte.Am 16. August 1685 hielt der neue Kurfürst seinen feierlichenEinzug in Heidelberg und übernahm die Regierung des Landes, welchesnoch an den Wunden blutete, die in den Raubkriegen Ludwigs XIV.der feindliche Nachbar ihm geschlagen hatte. Auf alle mögliche Weisesuchte Philipp Wilhelm die Herzen seiner neuen Unterthanen zu ge*) Es war die in der französischen Geschichte als Madame la Palatinebekannte Herzogin von Orleans, welche am Hofe Ludwig XIV. eine be-sondere Stellung einnahm und vom Könige sehr bevorzugt wurde. UnsDeutschen ist diese Prinzessin bekannter, alsLise=Lotte und ihr inneuerer Zeit durch Menzel veröffentlicher Briefwechsel mit ihren Nichten,denRaugräfinnen, gewährt neben manchem historisch=wichtigen Blick indie damaligen Zeit= und Hof=Verhältnisse, ein sehr interessantes Bilddieser originellen, von biederem und derbem deutschen Geiste durchdrungenen Persönlichkeit.