148Hof= oder Jesuiten=Kirche beigesetzt zu werden, und Johann Wilhelmbefahl durch ein Dekret vom 11. August 1689 eine allgemeineLandestrauer.Der kaiserliche Gesandte am spanischen Hofe, Graf von Mans-feld traf im Auftrage des Königs von Spanien schon AnfangsAugust in Neuburg ein, um die Prinzessin Maria Anna in Empfangzu nehmen, und am 27. August sollte die Hochzeit sein. Der Kaiserund die Kaiserin waren selbst nach Neuburg gekommen, um derFeier beizuwohnen. Kurfürst Philipp Wilhelm hatte seine ganzeFamilie um sich versammelt, denn es galt einem Doppelfeste, da sein5. Sohn, Alexander Siegismund, (geb. 1663), und schon seit 1681mit 18 Jahren Coadjutor des Bischofs ivon Augsburg, bei diesemFeste seine erste Messe lesen und dann die Trauungs=Ceremonie voll-ziehen sollte. Die Feier trug mehr den Charakter eines Familienfestesda die Doppeltrauer um die verstorbene Kurprinzessin und den Prin-zen Friedrich Wilhelm größere öffentliche Lustbarkeiten untersagteEs war diese Vermählung aber ein Ereigniß von sehr großer Tragweite. Die früheren Ehen des an Geist und Körper schwachen KönigsKarl II, von Spanien waren ohne Nachkommenschaft geblieben. Daer selbst der letzte Habsburger auf dem spanischen Throne war, sokonnte man im Falle seines kinderlosen Todes große Verwickelungenwegen der Nachfolge voraus sehen. Aus diesem Grunde war auchdie Werbung und die neue Vermählung so sehr beschleunigt wordenund die Wahl war auf die Neuburgische Prinzessin gefallen, vonwelcher man hoffte, daß sie Spanien einen Thronerben geben werdeLudwig XIV. hatte der Verbindung alle möglichen Hinderniſſe inden Weg gelegt.Den, unter den augenblicklichen kriegerischen Zuständen und beider Mißstimmung Ludwigs XIV, gegen diese, das französische Inte-resse beeinträchtigende Heirath, nicht ganz leichten Auftrag, die Neu-vermählte nach Spanien zu führen, hatte der ältere Bruder, FranzLudwig, Bischof von Breslau, erhalten. Da er jedoch zugleich kaiser-licher Statthalter in Schlesien war, und gerade zu dieser Zeit dortausgebrochene confessionelle Wirren seine Anwesenheit daselbst noth-wendig erscheinen ließen, so wurde Johann Wilhelm damit betraut.Er brachte seine königliche Schwester auch in den letzten Tagen desOctober glücklich nach Düſſeldorf, wo dieſelbe einige Zeit verweilte,bis die Anordnung zu der Ueberfahrt nach Spanien getroffen war.Auf der Reise war sie in Siegburg von dem Kurfürsten von Bran-denburg begrüßt worden, der mit seinen Brüdern zu diesem Zweckaus dem Lager vor Bonn dorthin gekommen war. Der Aufenthalt
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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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148
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