136burger nach Mörs, wo die Meldung einlief, daß ein großer, vonRheinberg nach Neus gehender Getraidetransport unter starker Be-deckung von allen Waffen bei Uerdingen stehe. Sogleich entsendeteSchöning die Cavallerie dorthin, welche auch den Transport über-rumpelte, die Bedeckung theils niederhieb, theils zu Gefangenen machte,und die Wagen mit 2000 Scheffel Getraide erbeutete. Inzwischen warGeneral Sourdy mit 25 Escadrons aus Neus aufgebrochen, um demFeinde entgegen zu gehen. Den 3./13. März kam es zwischen KlosterMeer und Uerdingen, unweit Lank, zu scharfen Gefechten, in welchendie Franzosen den Kürzeren zogen und auf Neus zurückgingen, verfolgtvon den Brandenburgischen Reitern, von denen eine Escadron bis andie Thore von Neus vordrang. Mit dem Gros der Infanterie warSchöning nach Uerdingen zurückgegangen, ließ den 4./14. März Schloßund Städtchen Linn erstürmen, wobei die Franzosen abermals großeVerluste erlitten, und sicherte auf diese Weise das linke Rheinufer bisNeus gegen die ferneren Streifereien des Feindes. Als in Folge dieserNiederlagen der General Sourdy bald darauf auch Neus räumte unddie Stadt von den Brandenburgern besetzt wurde, blieb nur noch dieFestung Rheinberg in französischer Hand. Auf dem rechten Rheinuferwar Kaiserswerth noch stark besetzt und die Garnison brandschatzte vonhier aus das umliegende Bergische Land. Auch Siegburg war nochbesetzt und befestigt; die Erfolge der Brandenburger hatten jedoch denBewohnern der Aemter Löwenburg und Blankenberg den Muth ge-geben, sich zusammen zu rottiren und sich den Requisitionen der Gar-nisonen von Siegburg und Bonn mit bewaffneter Hand zu widersetzen.Durch diese Ereignisse hatte auch Johann Wilhelm sein früheresSelbstvertrauen wiedergewonnen. Er ließ jetzt den Ständen eröffnen,er gebrauche für Truppen und Festungen 50.000 Thlr. sogleich, undmüsse später noch 2—300,000 Thlr. haben, zu deren leihweiser Auf-nahme sie Einwilligung und Bürgschaft geben sollten. Während jedochder Landtag sich über diese Zumuthung sehr unwillig zeigte, erließ erunter dem 13. März an Esken den gemessenen Befehl, den Franzosendurchaus keine Zahlung mehr zu leisten, sondern alles Geld, was eraus den Contributionen vorräthig habe und was noch eingehen würde,an die Landeskasse nach Düsseldorf abzuliefern. Esken gerieth dadurchin große Bedrängniß, da die Franzosen ihm drohten, sich an seinerPerson und an seinen Gütern schadlos zu halten. Die von Bonn nachKöln zurückgegangenen Deputirten der Stände waren in nicht geringererVerlegenheit wegen der Ablieferung der Contributionen. Den 7. Märzberichteten sie, daß sie, als sie sich nach Bonn zum Intendanten ver-fügen wollten, von sieben Brandenburgischen Officieren bis Weslingen
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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Seite
136
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