121Gegen Fürstenbergs Erwarten verwarf indessen Papst InnocenzXI. der mit Ludwig XIV. nicht auf dem besten Fuße stand, die gescheheneWahl nicht nur, sondern bestätigte unter dem 20. September 1688die Minoritätswahl des Prinzen Joseph Clemens von Bayern, welcheer durch die Congregation der Cardinäle als rechtsgültig erklären ließ.Kaiser Leopold I. war damit ganz einverstanden, und bewirkte die An-erkennung des Prinzen als Kurfürst von Köln von Seiten des Kur-fürsten=Collegiums unter dem 11 December. Alle Versuche Fürsten-bergs, diese Anerkennung für seine Person zu erlangen, waren an demWiderspruche der Mehrzahl der Kurfürsten gescheitert.Ludwig XIV. ergriff diese willkommene Gelegenheit, um aber-mals gegen Deutschland vorzugehen. Er verband diese Streitfragemit der Frage der Orleans'schen Erbansprüche auf die Pfalz, ließden bereits in Deutschland eingerückten Truppen noch bedeutendeStreitkräfte nachfolgen und legte dem Reichstage zu Regensburgam 24. September 1688 das berüchtigte Manifest vor, welches alsMuster diplomatischer Heuchelei dienen könnte. Der Hauptinhaltdieses Actenstückes bestand darin, daß der König erklärte: als Garantdes Westfälischen und des Nimweger Friedens fühle er sich verpflichtet,die durch den Kaiser angefochtene Wahlfreiheit der Domkapitel aufrechtzu erhalten und überhaupt die Freiheit und Selbstständigkeit derdeutschen Reichsfürsten zu schützen gegen die Unterdrückungen desKaisers, in dessen Absichten es immer gelegen habe, alle Kurfürstenund Reichsstände unter Vormundschaft und in blindem Gehorsam zuhalten 2c. Auch war darin besonders hervorgehoben, daß er die Ge-wißheit habe, der Kaiser wolle mit den Türken Frieden schließen, dannden Waffenstillstand von 1684 brechen, und seine und des Reichesganze Macht gegen Frankreich wenden.“) Durch ein Gegenmanifest,aus der Feder des berühmten Philosophen und Staatsmannes Leibnitzsuchte der Kaiser mit schlagenden Gründen die Behauptungen LudwigsXIV. zu widerlegen und auf ihren richtigen Standpunkt zurückzu-führen.Den Worten Ludwigs XIV. folgte die That auf dem Fuße.Noch bevor sein Manifest allgemeine Verbreitung gefunden, breitetensich die französischen Truppen in der Pfalz weiter aus und bezeichnetenihren Weg mit den Ruinen verbrannter Städte und Dörfer. Kaisers-lautern, Alzei, Neustadt a. d. Haardt 2c. würden gezwungen, dem*) Lünig p. spec. contin. I. 492, Pachner, Samml. der ReichstagbeschlüsseII. 632. Theatr. Europ. XIII. 307.) Theatr. Europ. XIII. 381. in der Uebersetzung.
Druckschrift
Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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121
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