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Johann Wilhelm Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg : Regent der Herzogthümer Jülich und Berg ; 1679 - 1690
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120Jetzt glaubte Fürstenberg den Zeitpunkt gekommen, wo er ener-gischer vorgehen müsse. Als Domdechant ergriff der sofort die Zügelder Regierung und schrieb die Wahl eines neuen Erzbischofs aus,sechszehn Tage nach dem Tode des Verstorbenen, wie es die Canonesverlangten. Graf Kaunitz, in erneutem und verschärften Auftrage desKaisers, Herr von Heron, als Geschäftsträger Ludwigs XIV., die Ge-sandten vieler deutscher Reichsfürsten, darunter in erster Linie diejenigendes Kurfürsten von Bayern und des Kurfürsten Friedrich III. vonBrandenburg,!) bewegten sich in eifriger diplomatischer Thätigkeitzwischen den Herrn des Domkapitels, um Stimmen zu werben. Am19. Juli war der entscheidende Wahltag, dessen Ausgang Alle mit ge-spannter Aufmerksamkeit entgegensahen. Das Resultat ergab, daßvon 24 Stimmen 13 auf den Cardinal von Fürstenberg, 9 auf denPrinzen Joseph Clemens von Bayern, und 2 auf andere Candidatengefallen waren.Da Fürstenberg nicht die erforderliche Majorität von drei Viertelder Stimmen hatte, so war die Sache endgültig noch nicht entschieden.Er setzte sich jedoch über diesen Zweifel fort, ließ sich von seinen An-hängern zum Bischof von Köln proclamiren, vorbehaltlich der Bestä-tigung durch den Papst, und rief zu seiner Unterstützung schleunigstdie Franzosen ins Land, welche in Folge eines 1687 zu Luxemburgnoch mit Maximilian Heinrich geschlossenen Offensiv= und DefensivBündnisses, für diesen Fall im Trier'schen und Luxemburgischen inBereitschaft standen. Ein Dekret Fürstenbergs, als postulirter Erz-bischof und Kurfürst von Köln, an alle Amtleute und Magistrate be-fiehlt, daß Niemand Haus und Hof verlassen oder sein Eigenthumin fremde Staaten flüchten soll. Eine Proklamation vom 12. Sep-tember besagt, daß die Franzosen als Freunde kämen und einige Ortebesetzen würden, es solle kein Schaden zugefügt werden, die Ortschaftensollen die ihnen zugewiesene Einquartierung unweigerlich aufnehmen.Bonn, Neus, Kaiserswerth und Rheinberg nahmen französische Be-satzungen ein und alle Rheinübergänge wurden scharf bewacht. Auchin Köln wollte er französische Regimenter einrücken lassen, mußtejedoch davon Abstand nehmen, da Bürgermeister und Rath entschiedendagegen protestirten, sich auf ihre Privilegien als freie Reichsstadt be-riefen, unb ihre städtischen Truppen durch Abtheilungen aus Nieder-rheinisch=Westfälischen Kreis=Contingenten verstärkt hatten.1) Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, war am 6. Mai 1688 gestorben,ihm succendirte sein Sohn Friedrich III, der spätere erste König